Vergewaltigung: Mit Angst spielt man nicht

In Leipzig soll eine Vergewaltigung stattgefunden haben. Das ist alles möglich. Aber ich habe da ein paar Fragen. Und die habe ich irgendwie auch als Vater. Ich will mal kurz etwas zeigen und das Ende offen lassen, da ich ja eh keine Antworten habe. Aber lassen Sie uns kurz mal über einen Vorfall reden, der sich vor ein paar Tagen in Leipzig abgespielt haben soll. Schauen Sie mal.

Vergewaltigung an einer Grundschülerin

Die Internetseite eines deutschen Fernsehsenders erzählt uns davon, dass Ende Oktober ein zehnjähriges Mädchen in Leipzig auf dem Weg zur Schule überfallen und vergewaltigt wurde. Problematisch dabei ist, dass weder die namhafte Tageszeitung der Stadt noch ein Nachrichtenportal der Stadt etwas davon wissen. Auch bei der Suche in den Nachrichten im Allgemeinen findet sich nichts entsprechendes.

Ich sage nicht, dass es diesen Vorfall nicht gegeben hat oder dass solche Vorfälle überhaupt nicht vorkommen. Als Vater einer Tochter beunruhigt das schon. Und gerade, wenn meine Tochter morgens im Frühnebel auf dem Schulweg ist, hat man bei so einer Nachricht schon ein ziemlich mulmiges Gefühl. Unabhängig davon, ob das Kind im Haushalt oder woanders wohnt.

Dem Mädchen im Artikel wurde wohl aufgelauert. Es wurde in ein Gebüsch gezogen und missbraucht. Das Mädchen soll sich danach in die Schule geflüchtet haben. Der Täter soll noch mit seinem Fahrrad am Tatort geblieben sein. So zumindest erzählt es uns der Artikel. Und die Polizei verschickt wohl Informationsbriefe. Und so weiter und so fort.

Meine Fragen dazu

Ich habe es ja oben verlinkt. Wenn die Tat stattgefunden hat, berichten doch meistens alle möglichen Medien darüber. Wie diese Tat in Freiburg oder so viele andere abscheuliche Taten. Vergewaltigung ist so ziemlich das Mieseste, was man sich vorstellen kann, noch dazu an Kindern. Aber ganz ehrlich: Wieso berichtet sonst niemand von der Tat in Leipzig? Nicht mal die Klatschpresse faselt davon. Niemand außer der Fernsehsender.

Wenn die Polizei fahnden würde, würde sie das doch wohl auch über ihre Internetseite tun, oder? Wieso finde ich dort auch nichts zum Vorfall? Und merkwürdig ist auch, dass bei der Fahndung nach unbekannten Personen nichts zu finden ist. Wieso ist das so? Wenn sich die Polizei an die Medien – wie der Fernsehsender – wendet, hat sie ein öffentliches Interesse und würde zumindest das Fahndungsfoto auf der eigenen Seite haben. Da ist aber nichts.

Es gibt wirklich nicht so richtig etwas, was den Artikel des Fernsehsenders untermauern würde. Sollte sich das Ganze als Falschmeldung entpuppen, wäre das unsagbar geschmacklos. Ist die Meldung aber richtig, wäre das ein Desaster für die anderen – vor allem die lokalen – Medien. Wieso also findet man sonst nichts? Das hinterlässt mich komplett ratlos.

Mit Angst spielt man nicht

In dem Artikel zitiert der Fernsehsender die Polizei, wie der unbenannte Pressesprecher sagt, dass sie um die Besorgnis der Eltern und die Ängste der Kinder wissen. Hinweis: Der Pressesprecher heißt seit vielen Jahren Uwe Voigt. Wenn man mit ihm gesprochen hätte, hätte man seinen Namen auch wissen können und im Artikel nennen können. Oder sehe ich das falsch?

Unterm Strich lautet meine Meinung dazu: Mit Angst spielt man nicht. Bisher sieht es so aus, als ob niemand sonst von dem Vorfall weiß. Also kann der Artikel durchaus eine Falschmeldung sein. Stellen wir uns nun vor, es würde wirklich ein solcher Täter in der Gegend herum schwirren und davor hätte jemand jede Menge Falschmeldungen zum Thema verbreitet: Wie sehr würde man dann eine echte Meldung zum Thema glauben?

Vergewaltigung muss verfolgt und auf das Härteste bestraft werden. Und Vergewaltigung von Kindern noch schärfer. Ich bin kein Jurist, weshalb ich da nichts weiter dazu sagen kann. Aber es muss auch bestraft werden, wenn Medien Unwahrheiten verbreiten. Am Ende wäre es vermutlich nicht mal das erste Beispiel des Fernsehsenders. Mit Angst spielt man nicht, und genau das scheint der Sender getan zu haben. Oder sehe ich das falsch? Haben Sie denn andere Informationen?

Update: Erkenntnisgewinn

Wie man sich doch täuschen kann. Der oben verlinkte Artikel von RTL suggeriert, dass es sich um ein aktuelles Ereignis handelt. In den Kommentaren wurde ich darauf hingewiesen, dass es den Vorfall wohl tatsächlich gab. Allerdings ist das Ganze zwei Jahr her. Der Vorfall fand im Leipziger Stadtteil Mockau statt. Aber lesen Sie selbst:

http://www.lvz.de/Leipzig/Polizeiticker/Polizeiticker-Leipzig/Mann-vergeht-sich-an-zehnjaehrigem-Maedchen-in-Leipzig-Mockau

Ich konnte nichts finden, weil ich die Suche zeitlich begrenzt hatte. Deshalb war es mir unmöglich, von dem Vorfall zu erfahren, wenn der so lange her ist. Und RTL tut so, als wäre das ein aktuelles Ereignis. Schämen sollten sie sich.

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4 Kommentare

  1. Hallo Henning,
    der geschilderte Tathergang kam mir so bekannt vor, deshalb hab ich mal fix eine große Suchmaschine bemüht und die ist fündig geworden: Bereits vor 2 Jahren ist passiert, was mal wieder einer als superaktuelle Meldung ausgibt um Klicks zu bekommen. http://www.lvz.de/Leipzig/Polizeiticker/Polizeiticker-Leipzig/Mann-vergeht-sich-an-zehnjaehrigem-Maedchen-in-Leipzig-Mockau

    Es ist kaum zu glauben, aber leider immer wieder zu lesen, dass es Menschen gibt, die altes Gras mähen, und grün angemalt als neu verkaufen müssen.
    Hier aber mit dem Leid eines Kindes Aufmerksamkeit zu generieren, ist eine Unverschämtheit. Hoffentlich zeigt den Typen mal einer an wegen Täuschung der Öffentlichkeit

  2. Hallo Kathrin,

    deshalb habe ich das Ganze auch nicht gefunden. Ich hatte die Suche auf einen Monat begrenzt. Dann ist das klar, dass man da nichts findet.

    Aber unterm Strich stimmt das schon, dass immernoch ranzige Butter als frisch verkauft wird. Irgendwelchen lustigen Bildern bei großen sozialen Netzwerken sei dank.

  3. „Stellen wir uns nun vor, es würde wirklich […] und davor hätte jemand jede Menge Falschmeldungen zum Thema verbreitet: Wie sehr würde man dann eine echte Meldung zum Thema glauben?“
    Denoch interessante Gedanken.
    VG Andree

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