Deutungshoheit, die - Geht es noch egaler? - Bild von moritz320 auf Pixabay

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Deutungshoheit, die – Geht es noch egaler?

Wisst ihr denn, wie egal der Kampf um die Deutungshoheit eigentlich ist? Könnt ihr euch vorstellen, dass es wichtigere Dinge gibt, als alles zu kommentieren? Ich bin jetzt ein paar Tage hier auf dem Blog still gewesen. Das ist ja nicht weiter schlimm. Dennoch hatte das seinen Grund. Es gibt nämlich derzeit nichts, was mir egaler als die Einordnung irgendwelcher Dinge ist. Ja, das mag jetzt komisch klingen. Es ist aber leider so. Vermutlich wird sich das wieder geben. Aber im Moment kann ich es halt nicht ändern.

Wer hat denn nun Recht?

Mir kommt allerlei unter, wenn ich den ganzen Tag wach bin. Ja, auch jemand, dem unterstellt wird, ein “Schlafschaf” zu sein, kann durchaus mal wach sein. Jedenfalls bekommt man Nachrichten mit. Posts in den sozialen Netzwerken überfallen einen. Blogartikel, Videos, Bilder, whatever. Mit allem möglichen wird man den ganzen Tag über konfrontiert. Leute, das kann ganz schön anstrengend sein. Vor allem, wenn man einen verantwortungsvollen Job zu erledigen hat.

Und so passiert es, dass man ganz schnell auf einem Boot sitzt, das in eine spezielle Meinungsrichtung unterwegs ist. Ob das die Meinung ist, die man sonst auch vertreten würde, ist erstmal dahingestellt. Da man aber keine Zeit oder Gelegenheit – oder auch beides – hat, kann man vieles gar nicht mehr einordnen und lässt einfach mal machen. Die Deutungshoheit überlässt man anderen. Kennt ihr das?

Vielleicht fragt man sich noch, wer denn nun Recht hat. Aber das ist dann ja auch so etwas, dass man den anderen die besagte Deutungshoheit überlässt. Dinge kann man für sich selbst gar nicht mehr einordnen, weil es viel zu viel ist. Ich habe lange Zeit versucht, irgendwelche Dinge für meine Leser einzuordnen. Aber das gelingt mir nicht mal mehr für mich selbst, geschweige denn, um anderen einen Gefallen zu tun.

Wer nun Recht hat, ist mir mehr und mehr völlig Wumpe. Viel egaler geht es eigentlich gar nicht. Dass ich mal an einem solchen Punkt lande, hätte ich mir nie träumen lassen. Aber ich habe halt in den letzten Tagen in mich hinein gehorcht. Und dabei ist mir bewusst geworden, dass mein Schutzschild immer dichter wird in der derzeitigen Gemengelage. Und ich sehe nicht, dass diese sich bald ändert.

Ich will nix mehr hören

Ich habe mich immer wieder zu diversen Dingen in diesem Jahr geäußert. Grundsätzlich weiß ja eigentlich jeder Depp, dass solche Ausdünstungen wie “Corona ist wie ein Schnupfen” Blödsinn sind. Die, die das behaupten, wollen dann allerdings die Deutungshoheit behalten und machen einen Lauten. Ja, Leute, dann macht doch. Lasst mich aber bitteschön in Frieden damit. Ich habe für mich entschieden, was ich für richtig erachte. Und ich will es einfach nicht mehr hören.

Auch Politik. Meine Fresse, was konnte ich mich darüber auslassen! Blättert einfach mal im Schlagwort “Politik” herum, also über diesen Link. Ich denke mittlerweile, dass außer eine im Bundestag vertretene Partei alle anderen irgendwie so Teil-Recht haben. Aber es kommt dann eben zu einem Überbietungswettbewerb, wer den anderen noch besser in die Pfanne hauen kann. Macht es doch einfach. Aber lasst mich in Ruhe damit.

Behaltet doch eure Deutungshoheit

Ja, ich weiß schon: Debatten sind emotionaler geworden. Schnell ist man dabei, sich über irgendwas zu echauffieren. Und zwar vor allem dann, wenn andere eine andere Meinung haben. Schlimm wird es eigentlich, wenn die ganze Diskussion fernab der Fakten geführt wird. Dann geht es nämlich nur noch darum, um jeden Preis Recht zu haben und die Deutungshoheit zu besitzen. Dann behaltet sie doch. Aber nervt nicht andere damit, die es nicht wissen wollen.

Völlig absurd wird es, wenn jemand von jemand anderem etwas mitbekommt, was man durchaus gut finden kann aber ablehnt, weil man die andere / den anderen sonst nicht leiden kann. Glaubt mir, dass ich da ziemlich viel in letzter Zeit mitbekommen habe. Und ich will bei dem Spiel einfach nicht mehr mitmachen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Zeit ist ein gutes Stichwort. Da die meisten dieser bekloppten Scheindebatten in den sozialen Netzwerken geführt werden, sind wir wieder dabei, wie sehr uns Social Media die Zeit stiehlt.

Ich könnte stundenlang mit Menschen diskutieren, was links, linksextrem, “linksunten.indymedia.org” und Antifa bedeutet. Das Gleiche übrigens auch für die Rechtsausleger. Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass es jedem Menschen ermöglicht werden sollte, sich und seine Fähigkeiten frei zur Entfaltung zu bringen. Das ist eine zutiefst liberale Haltung, nichts weiter. Den einen bin ich damit allerdings “eine rote Socke”, für die anderen “ein brauner Haufen”. Das ist Deutungshoheit vom feinsten, oder?

Für mich bedeutet das

Es gibt nichts wichtigeres für mich, als dass mein Privatleben so gestaltet ist, dass man sich wohlfühlt. Das ist mir in großen Teilen gelungen. Damit ist es möglich, für meinen Job, mein Umfeld, meinen Blog und all das die Kraft zu haben, die all diese Dinge erfordern. All das andere, das einem so in die Timelines und Feeds hinein gekotzt wird, lenkt nur ab. Ich will das nicht mehr. Und eigentlich bedeutet das genau eine einzige Maßnahme.

Ich muss mich aus den sozialen Netzwerken zurückziehen. Zumindest zeitweise. Macht ihr mal weiter mit eurer Deutungshoheit, belöffelt euch nach Strich und Faden, haut euch halbgares Zeug um die Ohren und bezeichnet das als Information. Ich will das Alles nicht mehr hören. Vielleicht muss ich meine Accounts nicht gleich löschen, wie es der Horst mal gemacht hat. Aber eine Pause auf unbestimmte Zeit scheint mir äußerst angebracht zu sein.

Ich meine, ich konzentriere mich eh auf andere Dinge. Wieso also sind mir diese Läden alle so wichtig? Wobei, das ist falsch: Sie sind mir ja gar nicht wichtig. Denn das Leben findet immer außerhalb statt. Aber wenn das so weitergeht mit dem Kampf und dem Krampf rund um die Deutungshoheit, ist das eigentlich nur ein logischer Schritt. Wer mir also irgendwo folgt, nehmt es mir nicht krumm, wenn ich erstmal verstumme. Denn dieser ganze Quatsch ist mir vollkommen egal geworden.

Deutungshoheit, die - Geht es noch egaler? - Bild von moritz320 auf Pixabay
Deutungshoheit, die – Geht es noch egaler? – Bild von moritz320 auf Pixabay

5 Kommentare zu „Deutungshoheit, die – Geht es noch egaler?“

  1. Es ist erstaunlich, welche Ruhe durch die Abstinenz von den asozialen Medien entsteht. Ich bin inzwischen noch weiter gegangen. Ich lese nicht mehr die Artikel, von denen ich vorher schon weiß, welcher Tenor dort existiert. Dazu gehören die Achse oder Tichy. Ich habe mir eingeredet, dass ich dort lesen müsse, um wenigstens zu verstehen, wie diese Leute ticken. Das ist brotlose Kunst. Eine noch ziemlich neue Einsicht. Aber eine, die nochmal für mehr Ruhe sorgt. :-) Dabei habe ich heute noch das genaue Gegenteil anempfohlen bekommen. Bei Youtube habe ich alle Quellen herausgefiltert und sozusagen unsichtbar gemacht, über die ich mich sonst den lieben langen Tag aufregen müsste. Ich finde, so lässt sich das Internet halbwegs ertragen. ᓚᘏᗢ (⊙_⊙;)

    1. Hallo Horst, das ist zwar gut und schön. Aber dafür wurden doch die sozialen Netzwerke gar nicht gemacht. Das weißt du ja selbst. Aber es ist schon so, dass man entsetzlich viel Zeit zum Filtern aufwenden muss.

      Ich dachte ja auch, dass ich möglichst breit gefächert die Nachrichtenquellen mitnehmen sollte. Alles Quatsch. Man macht sich nur verrückt. Und das will ich nicht mehr. Aus diesem Grund gibt es genau diesen Artikel.

      Da hast du in deinem Artikel ein wunderbares Zitat aufgenommen. Das gibt viel Raum für Interpretationen. Danke dir.

    2. Tichy und die Achse…ich müsste starke Beruhigungsmittel nehmen, um mir diese Seiten anzutun. Vorgestern habe ich einen Beitrag über die letzte Querdenker-Demo gesehen, da war eine an Covid-19 erkrankte und genesene Dame, die dort Demostrierende interviewt hat. Es hat nicht viel gefehlt, da hätte ich angefangen zu würgen, als ich deren Antworten hörte. Ich habe beschlossen, dass ich mir sowas nicht mehr antue.

      Ich beobachte den Wahnsinn zwar, aber auf Interviews mit Covidioten und Ansprachen von Leuten, denen es egal ist, wenn die Demonstranten “Hitlerkreuze an Wände sprühen oder Kinderpo***s anschauen, Hauptsache, sie denken quer” (das war ziemlich genau das Zitat), habe ich keine Lust mehr. Raubt mir Lebenszeit und macht mich wütend.

  2. Hi Henning, kann ich gut nachvollziehen Deine Sichtweise. Es ist einfach zu viel geworden und zu polarisiert das Ganze. Manchmal kotzt mich das auch nur noch an.

    Bei mir habe ich hingegeben den Trend festgestellt, dass ich seit einiger Zeit – so seit ca. 3 Jahren – zunehmend politisiert bin. Was mir früher egal war, ist mir heute wichtig. Denn ich möchte meinen Teil dazu beitragen, den ganzen Spacken, die so unterwegs sind und Bullshit verbreiten, Contra zu geben. Einfach weil Vieles meinen Lebenseinstellungen komplett widerspricht und ich das nicht unwidersprochen lassen will. Denn ich finde: wenn man selbst nicht Position bezieht, dann tut es jemand anderes. Das will ich nicht.

    Ich benutze als Soziales Netzwerk nur noch Insta, und das auch hauptsächlich, um hübsche Bilder zu sehen :-) Aber ich habe auch Seiten abonniert, die ähnlich ticken wie ich, da schaue ich mir auch die Beiträge an.

    Bei zeit.de bin ich schon lange angemeldet und ich lasse es mir nicht nehmen, dort zum ein oder anderen Thema zu kommentieren. Aber Du hast recht, manchmal geht mir das alles komplett auf die Nüsse. Besonders dann, wenn die Asozialen mal wieder so laut sind, dass man keine Lust mehr hat, sich dieser Welle an Aggression entgegen zu stellen.

    1. Hallo Martin,

      genau diesen Drang habe ich bei mir auch erlebt. Ich wollte denen einfach immer und immer wieder sagen: “DAS IST NICHT WAHR!” – Man tritt dabei eigentlich nur eine Lawine los. Und sorry, diesen Stress wollte ich mir einfach nicht mehr antun.

      Ich bin zwar im Moment noch überall registriert. Aber ich mache so gut wie nichts mehr. Mir gibt da mein Feed Reader im Moment mehr. Das ist schön leise. Natürlich keine schwadronierenden Kommentare, aber auch wenig Clickbait. Es hat also was für sich.

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