MeWe: Facebook-Alternative oder Echo-Kammer?

So ganz bin ich mir immernoch nicht einig, was ich mit dem sozialen Netzwerk namens MeWe anfangen soll. Deshalb schreibe ich mal Gedanken auf. Also ich sehe auf jeden Fall einiges positiv an dem Netzwerk, da der Denkansatz gut ist. Aber bei einigen Dingen blasen sich mir die Backen auf. Und dann fängt man an, ein bisschen zu hinterfragen. Und das mache ich mal.

Kritik an MeWe? Angebracht oder nicht?

Zunächst einmal: Im Prinzip ist MeWe eine gute Idee. Die Privatsphäre steht im Vordergrund, die Nutzer sollen nicht ausspioniert werden und deren Daten verkauft werden. Alles gut und schön. Ich habe vor einiger Zeit bereits davon geschrieben. Und soweit ich weiß, sind die Herrschaften hinter der Plattform unermüdlich damit beschäftigt, die Funktionalität zu verbessern.

Aber wenn ich so zu dem MeWe-Tab in meinen Browser schaue, dann sehe ich dort eine „(67)“ für 67 Konversationen. Mit den wenigsten habe ich überhaupt zu tun. Da geht es um Chats, bei denen ich schon lange nichts mehr verfolge. Und irgendwelche „Guten Morgen“-Bildchen in der einen oder anderen Gruppe. All das versteckt sich hinter der „67“.

Der Tab von MeWe im Browser

Das ist aber nicht schlimm. Dann ignoriere ich das Ganze eben weg. Ich denke ja, nicht jeder Gruppenteilnehmer muss im Chat grüßen. Aber das ist nur meine Meinung. So, wie es auch meine Meinung ist, dass Sgrouples, die Firma hinter MeWe, Geld verdienen muss. Und deshalb warne ich davor, MeWe als heiligen Samariter anzusehen.

Deshalb ist Kritik sicherlich sinnvoll, wenn sie angebracht ist. Ich halte die Plattform jetzt nicht für so wichtig, dass ich nun jede Kleinigkeit einsammeln muss. Aber eines ist sicher: In dem sozialen Netzwerk können Kampagnen sehr gut vor der Öffentlichkeit versteckt werden, sodass sogar der Effekt der Echokammer – oder Filterblase – möglich ist.

Ein soziales Netzwerk als Echokammer?

In einer Echokammer wird ein Hall-Effekt erzeugt oder verstärkt. Bereits im Jahr 1931 verfügten die weltbekannten Abbey Road Studios (unter anderem „The Piper at the Gates of Dawn“ oder „The Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd, „Notorious“ von Duran Duran oder das legendäre Live-Konzert der Beatles im Jahr 1967) über eine solche Echokammer.

Abbey Road Studios, London – User:Mahlum [Public domain] via Wikimedia Comons

Mit einer Echokammer werden Nebengeräusche vermieden. Außerdem sollen Ungenauigkeiten und Fehler vermieden werden. Und jetzt stellen wir uns mal vor, soziale Netzwerke wären Echokammern. Man würde sich nur auf das konzentrieren, was dort stattfindet. Und aufgrund von Algorithmen werden Nebengeräusche von außerhalb des Netzwerks vermieden.

Ach ja, das heißt ja „Filter Bubble“, also Filterblase. Sind die Meinungen und Ansichten von Nutzern bekannt, werden Informationen, die ihnen widersprechen, ausgeschlossen. Und was MeWe betrifft, so steht die Plattform im Verdacht, genau diesen Effekt bei Impfgegnern zu verstärken. Ob dieser Effekt tatsächlich dort besteht, ist indes unklar.

Beeinflusst das meine Aktivitäten auf MeWe? Nein, da ich mit Verschwörungstheorien wie „Das Impfen haben jüdische Ärzte aus Gründen der persönlichen Bereicherung erfunden“ (Eugen Dühring, Impfgegner) nichts zu tun haben will, egal wo. Man sollte aber die Abschottung im Hinterkopf behalten, wenn man sich dort auf der Plattform herumtreiben will.

MeWe als Besucherquelle für den Blog?

Wie Sie wissen, schaue ich auch immer, was mir eine Plattform als Besucherquelle bringt. Und so muss ich ganz klar auch schauen, ob sich MeWe für meinen Blog eignet. Ich teile meine Artikel mit dem MeWe-Button unten bei den Buttons. Und ich achte darauf, dass die auf „Öffentlich“ stehen, also der ganzen Plattform zukommen.

Einen Artikel auf MeWe öffentlich teilen, sodass jeder ihn mitbekommt

Seit Anfang Februar kann ich MeWe bewerten. Das sind nun 2 Monate. Es kommt schon hier und da mal ein Klick von dort zustande. Aber es sind eben überwältigende 7 Klicks insgesamt. Und irgendeiner Reaktion dort in Form eines Emojis oder Kommentar oder so ist bisher auch komplette Fehlanzeige.

Andere geschlossene Plattformen bringen da mehr. Ob es Foren sind oder andere soziale Netzwerke: Nutzer bei MeWe scheinen sich nicht für meine Inhalte zu interessieren. Vielleicht wollen sie sich ja auch nur dort austauschen. Ich kann das nicht beurteilen. So, wie ich auch sonst die Plattform schlecht beurteilen kann.

Wie geht es mit mir weiter auf MeWe?

Ich weiß noch nicht, ob ich mit dem Netzwerk weitermache. Die meisten Diskussionen in Gruppen, denen ich folge, interessieren mich nicht. Und in den meisten Chats sind 90% der Nachrichten irgendwelche Grüße. Was soll ich denn damit? Es ist mir einfach unklar, ob ich wirklich einen Account auf der Plattform haben muss.

Lange schaue ich mir das nicht mehr an. Ich glaube zwar nicht daran, dass die Plattform Verschwörungstheorien unterstützt, indem Echokammern geschaffen werden. Aber die Hintergründe des Netzwerks sind nicht klar. Und als Facebook-geschädigter Internetnutzer will man da einfach mal Bescheid wissen.

Gründer Mark Weinstein mag viel erzählen, dass MeWe anders ist als die Datenhändler wie Facebook und Twitter. Er gibt vor, den Newsfeed (also MyWorld bei MeWe) nicht zu manipulieren. Aber Daten sind nun einmal ein riesiges Kapital. MeWe muss Geld verdienen. Soll das wirklich nur durch Kaufoptionen für Mitglieder erfolgen? Nicht mit Werbung? Nicht mit dem Verkauf der Nutzer?

Als Facebook-geschädigter Nutzer fragt man sich ernsthaft, ob das Alles so möglich ist. Und dennoch weiß ich nicht so richtig, wie ich mit der Plattform umgehen soll. Es gibt einen lesenswerten und inoffiziellen Guide zur Plattform, der auch immer wieder aktualisiert wird. Aber wer hat denn die Zeit, sich so tief mit einer Plattform auseinander zu setzen?

Ich beobachte mal, wie es weitergeht. Und ich werde von Zeit zu Zeit das Thema wieder aufgreifen. Oben im Menü finden Sie einen Link zu meinem MeWe-Profil. Vielleicht klappt es ja, dass ich mehr Leben in meine Timeline bekomme und mehr mit der Plattform anfangen kann. Denn eigentlich freut es mich, dass ein soziales Netzwerk wirklich mal für die Nutzer da ist.

4 Kommentare

  1. Ich habe meinen MeWe-Account nach ein paar Tagen wieder gelöscht. Es waren genau die oben genannten Punkte, die mich dazu bewegt haben. Gefühlt sind dort nur Leute mit zu viel Freizeit unterwegs. Das führt dazu, dass man von unnützen Beiträgen bombardiert wird und evtl. interessante Inhalte gar nicht mehr wahrnimmt.

    Bei Facebook bin ich auch nur noch in 2-3 lokalen Gruppen aktiv und die Veranstaltungshinweise sind gelegentlich ganz nützlich. Den Rest nutze ich dort jedoch gar nicht.

    1. Hallo Markus,

      wie du siehst, ich bin mir noch komplett unschlüssig bzgl. MeWe. Man kann sich aber tatsächlich des Eindrucks nicht erwehren, dass dort zu viel Zeit totzuschlagen ist. Facebook lasse ich nach wie vor links liegen. Und damit fahre ich nach wie vor sehr gut.

  2. Ich werde mich vielleicht auch einmal mit MeWe befassen. Durch den Wegfall von Google+ habe ich ja wieder mehr Zeit ;-)
    Illusionen bezüglich der Datensicherheit habe ich keine. Aber ich finde es gut, FB eine Konkurrenz entgegenzusetzen.
    LG
    Sabienes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.