Firefox Trackingschutz: Was macht die VG-Wort?

Ich nutze den Firefox nicht. Ich halte ihn für gnadenlos überladen und langsam. Das kann eine subjektive Wahrnehmung sein. Nun kommt ein Trackingschutz. Über den wird nun schon wieder diskutiert und debattiert. Mich interessiert allerdings nur: Was passiert dann mit dem Zählpixel der VG-Wort? Für mich als Autor, der eine kleine Aufwandsentschädigung damit einsammelt, ist das von großem Interesse.

Und Firefox so: Mir doch egal, was mit Webseiten wird

Der Mozilla-Browser Firefox ist sehr beliebt. Irgendwie hält sich die Mär, dass der die Daten der Anwender besser schützt als andere Browser. Nun legt man hier nach. Zukünftig soll der Browser alle Drittanbieter-Tracker blockieren. Standardmäßig. Klingt gut, oder? Endlich kein Tracking mehr! Juhu, dafür müssen wir den Browser feiern und Mozilla ein Denkmal bauen.

Aber was ist mit den Webseiten-Betreibern, die einfach nur wissen wollen, aus welchem Grund man ihre Seiten aufsucht? Und was ist mit denen, die mit solchen Sachen wie dem simplen Zählpixel der VG-Wort, der nichts, aber auch gar nichts aufzeichnet, ein bisschen was einnehmen? Beides dürfte blockiert werden, wenn Mozilla den Kram scharf schaltet.

Es handelt sich nicht explizit um einen Werbeblocker, der da beim Firefox eingeführt wird. Sondern jegliches Nachverfolgen – und auch der Versuch dessen – soll unterbunden werden. Wir Webseiten-Betreiber sollen also wieder komplett blind im Internet sein und ja auf so etwas böses wie Zählpixel verzichten, mit denen einen Teil des Geldes bekommen, das eh vorhanden ist.

Die Leute von Mozilla scheinen sich zu denken: Mir doch egal, was mit den Webseiten wird. Und es gibt gar Gerüchte, dass das Alles gar nicht so uneigennützig ist, was da Mozilla treibt. Bedenken wir einfach mal, dass diese Organisation schließlich auch irgendwie finanziert werden muss. Was könnte wohl hinter dem angeblichen Trackingschutz stehen?

Doch wieder Serverlogs?

Schauen wir mal, was mit Analysewerkzeugen passiert. Es gibt ja als bekanntestes Beispiel Google Analytics. Das kann ich natürlich nutzen. Allerdings werden hier die Daten an einen externen Dienstleister weitergegeben. Das kann natürlich im Rahmen des Datenschutzes erfolgen. Aber ein Restrisiko bleibt. Deshalb habe ich MATOMO im Einsatz. Und das habe ich so eingestellt:

Die Daten werden anonymisiert, aber ob das der Firefox so akzeptiert?

Es ist nicht klar, ob das dem Firefox so ausreichen würde. Aber wie soll ich denn sonst mitbekommen, was meine Besucher interessiert? Wer hier im Blog mitliest, weiß davon, dass mir das schon wichtig ist. Also soll ich dann MATOMO, was nur hier läuft und die Daten nirgendwo hinschickt, wieder abschaffen? Dann doch wieder AWstats und Serverlogs? Wer soll das auswerten?

Und der VG-Wort Zählpixel?

Die Verwertungsgesellschaft Wort sammelt Abgaben ein, die für Kopiergeräte anfallen. Damit werden Tantiemen für urheberrechtlich geschützte Werke generiert und an Urheber ausgezahlt, die registriert sind. Und zwar kommt das mit dem Zählpixel bei Online-Medien zum Tragen, wenn die Texte frei zugänglich und kostenlos sind. So wie bei meinem Blog. Die Gelder sind eh da, ich nehme also niemandem etwas weg.

Gezählt werden Webseiten-Zugriffe. Das ist wie die Verkehrszählung, bei der Strichlisten gemacht werden, wie viele Fahrzeuge eine Straße entlang fahren. Erreicht einer meiner Artikel mindestens 1500 Zugriffe, gibt es um die 20 Euro. Dabei ist es unerheblich, woher der Besucher kommt und was dieser benutzt. Es wird nichts gespeichert. Gar nichts. Aber der Zählpixel gilt dennoch als Tracker. Warum das so ist, weiß ich nicht.

Soll ich den weglassen? Und dann? Ich schalte keine Werbung, ich habe eigentlich keine werblichen Texte mehr, ich mache sonst nichts. Irgendeine Einnahme würde ich dann schon ganz gern haben wollen. Und nachdem sich kein Besucher zu einer Spende über PayPal hinreißen lässt, bleibt nicht mehr viel übrig. Der Zählpixel ist eine sinnvolle Alternative, nur wird der sicher vom Firefox blockiert.

Was wäre die Konsequenz?

Es hat etwas gedauert, bis ich mich mit MATOMO angefreundet habe. Ich will gar nicht wissen, wo jemand wohnt. Oder sowas. Mir genügt die Information: Irgendwer kam mit einem Gerät über die Suchmaschine XYZ zu diesem und jenem Artikel. Und das Ganze sollte dann bitte grafisch aufgearbeitet sein. Ist das verwerflich? Ebenso der „böse“ Zählpixel.

Die Konsequenz ist: Ich nehme wieder Artikel-Aufträge an und fummle mir irgendwas mit AWstats zurecht. Ersteres ist ein Drahtseilakt und erfordert von mir, mich unter Wert zu verkaufen. Letzteres ist ungenau und ziemlich aufwändig. Beides käme nicht wirklich für mich infrage. Und mit dem Tracking-Schutz? Wenn der Tracking-Schutz so kommt, werden die Aufrufe mit dem Firefox nicht mehr mitgezählt.

Ja, ich höre es schon: „Jetzt stell dich nicht so an, dann schreib doch nichts ins Internet, das ist letztlich deine eigene Schuld“. Wirklich? Mit fehlenden Einnahmen von der VG-Wort wird verhindert, die freie Meinungsäußerung zu finanzieren. Ist das das Ziel mit dem Firefox? Nicht mal das, denn hier wird vielleicht sogar etwas anderes verfolgt.

Die Nutzerdaten fallen dennoch an

Es geht das Gerücht, dass Mozilla zur Finanzierung der Entwicklung des Firefox die sowieso anfallenden Tracking-Daten selbst verwerten will. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen. Denkbar wäre es, dass der Nutzer zwar nichts mehr vom Tracking mitbekommt, die Daten aber dennoch ausgelutscht werden. Und was fängt Mozilla dann damit an?

Mozilla sammelt Daten für Webseiten-Empfehlungen. Oder was ist mit „Cliqz“ und den Nutzerdaten? Denkt denn irgendwer, dass die von Mozilla „die Guten“ sind? Am Ende schlachten sie über den Firefox Nutzerdaten aus und verkaufen das den Nutzern gegenüber als Datenschutz. Ich gebe keine Browserempfehlung ab, aber was Mozilla hier macht, ist unredlich.

Ja, die Nutzerdaten fallen eh an. Wenn mir jemand erzählt, man habe über Facebook von meinem Artikel XYZ erfahren und sei mit Firefox oder Chrome zu mir auf die Seite gelangt, dann braucht mir niemand mit Datenschutz und Tracking-Schutz zu kommen. Bleiben wir lieber ehrlich: Ich analysiere mit oben dargestellter Einstellung die Besucher und zähle sie für meine Tantiemen. Mehr passiert nicht. Alles lokal, alles fair.

Alles andere wäre mit meinem Verständnis auch nicht vereinbar. Und deshalb kann ich auch nicht nachvollziehen, wieso Mozilla mit dem Firefox so ein Theater macht. Google macht das mit dem Chrome ja auch nicht oder Microsoft mit dem Edge. Also was soll das? Damit nimmt das Internet nur noch mehr Schaden.

Ein Kommentar

  1. Sorry, aber so sehr ich Deinen Blog schätze – bei „Alles lokal, alles fair.“ regt sich mein Widerspruchsgeist. Die VG Wort arbeitet in Sachen Zählpixeln mit der Kantar Deutschland GmbH zusammen. Inwieweit die über die Zählpixel gewonnen Daten zum unter https://www.kantardeutschland.de/analytics-practice.html beschriebenen „besten first-party Blick auf Kunden weltweit“ beitragen, vermag ich nicht einzuschätzen. Doch ich verzichte lieber darauf. In meinem eigenen Blog ebenso wie im Browser.

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