Smart Cities: Hören wir auf mit all den Schlagworten

Ja, Smart Cities und alles darum herum sind ein Thema, was viele nervt. Aber wir sind in dem Bereich eigentlich viel weiter, als wir denken. Wenn wir darüber reden, müssen wir uns davon lösen, in Schlagworten zu denken. Oder sagen wir es konkret: Schluss mit Buzzwords. Was hilft es denn, mit wohl gedrechselten Begriffen um sich zu werfen? Wie meine ich das?

Leben wir eigentlich schon in Smart Cities?

Ja, tut mir leid, das Thema Smart Cities, was eigentlich jeden einzelnen Menschen voran bringen könnte, muss auf dem Land noch etwas warten. Aber auch da kommt man nicht umhin, dieses Thema anzugehen. Reden wir doch mal von der Bewässerung von Bäumen. Klar ist das Spielerei. Aber genau das ist doch das, was eigentlich jeden betrifft.

Bei Smart Cities geht es ja nicht darum, dass man nun auf Schritt und Tritt Internet in der Stadt hat. Kennen Sie noch das wohltuende Gefühl, einfach mal nicht erreichbar zu sein? Nein, es geht darum, Dinge, die benötigt werden, sinnvoll zur Verfügung zu stellen. Und damit ist „intelligent“ – also smart – gemeint.

Ich bin in Leipzig aufgewachsen. Irgendwann hingen zur DDR-Zeit Schilder herum, auf denen stand „Grüne Welle für Vernunft im Verkehr“. Und wirklich: Hatte man einmal grün, hatte man auf der gleichen Straße immer grün. Das war intelligent. Die heutigen Straßen können das Verkehrsaufkommen nicht mehr bewältigen. Also muss man sich auch wieder smarte Lösungen überlegen.

Grundsätzlich können wir aber schon sagen, dass wir rudimentär in Smart Cities leben. Aber bis es wirklich so weit ist, wird noch viel Zeit vergehen. Wo sind denn Sensorik-Technologien zur Steuerung des Verkehrsflusses? Welche Techniken federn Lastspitzen und Mangelzeiten ab? Und wann kommen wir aus dem Status der Spielerei heraus, wenn es um die Bewässerung geht?

Aber es ist doch gar nicht so schlimm

Ich hatte ein interessantes Gespräch. Es war viel Bier im Spiel, aber das war ja nur ein Nebeneffekt. Da hat jemand von einem Energie-Versorger damit zu tun, intelligente Bewässerungssysteme für die Weingebiete zu entwickeln. Wenn wir bisher dachten, dass damit 5G zwingend notwendig wird, sind wir wohl auf dem Holzweg.

Denn wie ist es denn? Sensoren messen den Feuchtigkeitsgehalt im Weinberg. Sollte der unter einen Schwellwert sinken, soll eine Meldung abgesetzt werden, dass bewässert werden muss. Das muss nicht rasend schnell erfolgen, und dafür muss das Netz auch nicht dem neuesten Standard entsprechen. Der „Breitband-Ausbau“ spielt also dabei gar nicht so die Rolle.

Das Problem ist, dass man einen Ist-Zustand mit einem Soll-Zustand vergleichen können muss. Wie beim Verkehr: Wenn der ins Stocken gerät, muss der durch intelligente Verkehrsleitsysteme gesteuert werden. Dafür braucht man Sensoren, die die Fahrzeug-Anzahl anhand von Schwellwerten messen.

Für all diese Dinge ist es nicht erforderlich, dass zu jeder Zeit irgendeine astronomische Geschwindigkeit zur Verfügung steht. Und insofern ist es gar nicht so schlimm, dass gar nicht so der Highspeed vorliegt, wie man es vielleicht vermutet. Insofern kann man aus so einem Ballon auch ganz schnell wieder die Luft herauslassen.

Der Schlüssel ist der Mehrwert

Ich arbeite bei einem großen IT-Dienstleister. Ich habe viel mit Microsoft zu tun und dabei mehr und mehr mit Azure, der Cloud-Plattform. Es ist wohl nicht so problematisch, Kunden-Unternehmen die Vorzüge von Infrastructure as a Service zu zeigen. Es ist aber schwierig, sich selbst dabei zu positionieren. Man muss Kunden immer einen Mehrwert bieten können.

Firmen haben irgendwelche Vorhaben. Nehmen wir Anbieter von Umfrage-Lösungen. Diese Umfragen müssen ausgewertet werden. Dazu ist gewaltige Rechenleistung notwendig. Dafür kann man sich große Rechenzentren bauen, die zum überwiegenden Teil unnütz Strom verbrauchen. Oder man lässt sich von einem IT-Dienstleister zeigen, wie man es intelligenter machen kann.

Und dann muss man es machen. Man muss zeigen, dass die eigene Idee einen Mehrwert für die Kunden bietet. Und man muss auch zeigen, dass man als IT-Dienstleister trotz des Rundum-Service von Microsoft immernoch stattfindet. Und auf die obigen Beispiele projiziert: Für Smart Cities kann jeder Dienstleister seinen Beitrag leisten. Es geht ja darum, dass man Nutzern und Kunden zeigt, dass man eine Lösung für ihre Vorhaben hat.

Smart Cities bedeuten auch immer ein kritisches Auge

Allüberall Sensoren, Kameras und Automatisierung. Natürlich wird es so kommen. Manche Stadt ist ja auch schon sehr weit mit der Entwicklung. Der Segen ist, dass das Leben der Einwohner einer Stadt lebenswerter wird. Der Fluch ist, dass eine ganzheitliche Überwachung möglich wird. Am Ende muss man Smart Cities auch immer mit einem kritischen Auge betrachten.

Aber wir müssen schon ehrlich sein: Die intelligente Mülltonne ist schon sensationell. Wenn der Müllbehälter sich erst bei der Müllabfuhr meldet, wenn eine gewisse Füllmenge überschritten ist, ist das tatsächlich eine großartige Sache. Aber es ist eben auch so, dass dann vielleicht auch Verbrauchsmuster eines Haushalts ermittelt werden kann und zur Auswertung und Analyse kommt.

So gibt es einige Ansätze, bei denen man auch immer wieder ein kritisches Auge haben muss. Allerdings wird immer mehr eine intelligente Verwaltung und Versorgung eingeführt werden. Es wurde dazu auch ein neues modulares System vorgestellt. Ich denke, dass hier noch viel erklärt und durchdacht werden muss. Und deshalb finde ich solche spannenden Gespräche wie erlebt sehr gut.

Denn wenn man sich mit Leuten unterhält, die etwas von dem Thema Smart Cities verstehen, dann merkt man, dass die komplett ohne markige Schlagworte auskommen. Es gibt einen Bedarf, und es gibt eine Plattform. Dazwischen muss es aber Dienstleister geben, die daraus Produkte mit Mehrwert für Anwender bieten. Ohne dem bleibt alles nur Schaumschlägerei.

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