Huawei-Smartphones: Für Google-Dienste gesperrt

Ich nutze eins dieser Huawei-Smartphones. Ein Mate 10 Pro. Ich bin sehr zufrieden mit dem Gerät. Aber es kann sein, dass ich umsteigen muss. Denn auf den chinesischen Konzern rollte eine riesige Katastrophe zu. Laut Nachrichtenagentur Reuters hat Google für Huawei den Zugang zu Hard- und Software gesperrt, die nicht unter die Open-Source-Lizenz fallen. Was bedeutet das?

Ende der Huawei-Smartphones?

Der chinesische Großkonzern aus Shenzhen mit seinen fast 200000 Mitarbeitern hatte sich auf den Weg gemacht, der größte Smartphone-Hersteller der Welt zu werden. Es gab irgendwo ein kleines Video, was im Zeitraffer Grafiken zeigte, wie der Marktanteil der Huawei-Smartphones nach und nach immer weiter zunahm. Und das könnte nun vorbei sein.

Offenbar befindet sich der Hightech-Konzern, der bei weitem nicht nur Smartphones herstellt, auf einer weltweiten schwarzen Liste, die vom US-Handelsministerium geführt wird. Und damit ist die Alphabet-Tochter Google dazu verpflichtet, den Zugang für Huawei-Smartphones zu Google-Diensten zu unterbinden. Das könnte das Ende der Popularität bedeuten.

Es betrifft allerdings nicht die Geräte, die bereits authentifiziert sind, wenn ich das richtig verstanden habe. Der Google Play Store, Sicherheitsupdates etc. sollen für sie weiter verfügbar sein. Ich habe das gestern gleich probiert und kann das erstmal so bestätigen. Aber solche Sachen wie Android 10 werden wir auf Huawei-Smartphones nicht sehen.

Huawei wird aber nur noch dazu in der Lage sein, öffentlich verfügbare Android-Versionen zu benutzen. Es werden keine Versionen mit Google-Diensten mehr erlaubt sein. Auch fallen technischer Support, Softwareupdates etc. in Zukunft weg. Und das Alles halte ich, wie Sie wissen, für sehr wichtig.

Alles halb so schlimm?

Der Android-Twitter-Account zum künftigen Umgang mit Huawei-Smartphones

Android versichert den Nutzern von Huawei-Smartphones, dass die Dienste, die ich oben mehrfach nannte, weiterhin funktionieren werden, aber der Anbieter die Vorschriften der US-Regierung einhalten muss. Wir als Nutzer / Besitzer dieser tollen Geräte können also erst einmal Ruhe bewahren. Das scheint auch für alle bereits im Umlauf befindlichen Geräte so bleiben.

Was auch ganz wichtig bei diesem Handelskrieg zwischen den USA und China ist: Die Zusammenarbeit zwischen Google und Huawei wurde ausgesetzt, nicht beendet. Das gilt übrigens auch für Intel, Qualcomm etc., die ihre Kooperation mit dem chinesischen Riesen auf Eis legen.

Vielleicht ist es ja so, dass eine Lösung gefunden wird. Aber das kann noch dauern. Huawei gilt ja eh als böser Konzern. Der Konzern ist der Anbieter, der den 5G-Ausbau wohl am besten bewerkstelligen kann. Aber sofort gab es die Gerüchte, dass Huawei Spionage betreiben würde. Bewiesen wurde nichts. Aber genau das gehört zum Handelskrieg dazu.

Der Ausweg aus dem Dilemma

Huawei ist nun vom Wohlwollen der US-Regierung abhängig. So, wie es dem Konkurrenten Zhong Xing Telecommunication Equipment Company Limited (ZTE) ging. Nur nicht so schlimm. Dennoch müsste sich Huawei etwas einfallen lassen, wie es nun mit den Huawei-Smartphones weitergeht.

Samsung hat es ja mal mit dem eigenen System Bada versucht. Als das beerdigt wurde, hatte man mit Tizen experimentiert. Aber so richtig ist da nichts dabei herausgekommen. Und Huawei? Die hatten auch mit Tizen gespielt. Aber vermutlich könnte es für den chinesischen Riesen in Richtung „Kirin OS“ gehen.

Das basiert offenbar auf dem „Android Open Source Project“ und kommt von der eigenen Tochter HiSilicon. Darauf würde man dann eigene Huawei Mobile Services bauen müssen. Ich habe gelernt, dass Huawei hier in der jüngeren Vergangenheit massive Weiterentwicklungen voran getrieben hat.

Und die Apps? Die können über die eigene „App Gallery“ bezogen werden. Die funktioniert wie der Google Play Store. Und die bringt auch Updates für die Programme etc. Das Alles ist natürlich nicht so populär wie der Google Play Store. Aber wahrscheinlich nur deshalb, weil man bisher nichts forcieren musste. Das wird sich nun massiv ändern.

Was lernt Europa daraus?

Wir befinden uns also mitten in einem Handelskrieg. Der betrifft zwar die USA und China. Aber der bleibt eben auch für Europa nicht folgenlos. Da sich die Smartphone-Hersteller in die totale Abhängigkeit von Google begeben haben, stehen die nun vor einem Dilemma. Profiteur könnte Apple sein. Jedenfalls kein europäischer Anbieter.

Ja, stimmt, die gibt es ja auch gar nicht mehr. Oder doch? Nokia gibt es ja noch. Die Marke wird durch HMD vertrieben, und das ist eine finnische Firma. Aber die Geräte sind eher unbedeutend. 1,5 Millionen Stück werden wohl pro Jahr verkauft. Das ist das Problem der Europäer.

Statt die europäischen Mobilsysteme Symbian, Sailfish oder sonstwas weiter zu entwickeln und Mut zu zeigen, hat man sich Android angedeihen lassen. Es gibt schlichtweg nichts europäisches in Sachen Hightech, geschweige denn mobile Lösungen. Und jetzt guckt man als europäischer Nutzer von Huawei-Smartphones zu, wie sich da zwei Supermächte mit Sanktionen überziehen.

Nie wieder Huawei?

Nachdem Europa nicht daraus lernt und wohl keine europäischen Lösungen erarbeitet werden, kann man sich eigentlich umschauen, wohin man sich künftig orientiert, wenn die Sache mit Huawei so weitergeht. Die Frage ist ja: Wer ist der nächste? Samsung? LG? Lenovo? Sony? HTC? Alles Asiaten.

Soll man denn nun Android komplett außen vor lassen, was künftige Smartphone-Anschaffungen betrifft? Dann landet man derzeit bei Apple. Weil – wie gesagt – die Europäer nicht aus der Hüfte kommen. Oder man landet bei Testballons wie Kirin oder Tizen. Ach, Sie denken an Ubuntu von den Briten von Canonical? Das wird schon jahrelang nicht mehr weiterentwickelt.

Nein, die europäische Politik ist der Meinung, dass man über die „Spionage“ von Huawei, die ja nie bewiesen wurde, schimpfen muss, Asiaten nicht zu trauen ist und Android und iOS sowieso böse sind. Also bleibt nur, dass die europäischen Hightech-Unternehmen den Finger ziehen und mal eine Konkurrenz erschaffen.

Dann sollen sich doch die Chinesen und Amerikaner die Köpfe einhauen, wie sie wollen, aber dann ist Europa weniger abhängig von Hightech aus diesen Regionen. Das wird nicht passieren, das ist mir klar. Aber ist meine halt, dass das die Konsequenz sein müsste.

Nie wieder Huawei? Das kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Wie gesagt, die Huawei-Smartphones sind großartige Geräte. Und in Sachen Netzwerktechnik hat Huawei den Europäern von Nokia und Alcatel-Lucent den Rang abgelaufen. Die Chinesen machen da wohl nicht viel falsch. Und die Europäer haben das Alles schlichtweg verpennt.

Fazit

Ja, das ist eine derbe Katastrophe für Huawei. Ja, Google wird nicht mehr so ohne weiteres ein vollständiges Android auf Huawei-Smartphones bringen. Aber es ist alles nicht so schlimm, da die Geräte weiter funktionieren und es sicherlich zu einer Lösung kommen wird. Selbst wenn die für Huawei dann „Kirin OS“ heißt.

Da man sich technologisch an die USA ausgeliefert hat, muss man in Europa nun zusehen, dass man die Kurve kriegt. Allerdings sehe ich hier schwarz, sonst wäre bei all dem Hickhack schon längst etwas passiert. Und wenn auf einmal die Alternativen um sich greifen, bedeutet das letztlich, dass Google ein Problem bekommen wird. Spätestens dann beendet das US-Handelsministerium diese Farce.

Für Smart Cities und die weitere Digitalisierung bedeutet das Ganze allerdings, dass mit Huawei der wichtigste Ausrüster eingeschränkt wird. Das wirft die Entwicklung um etliche Jahre vermutlich zurück. Ob das am Ende so großartig ist, wage ich zu bezweifeln. Aber das ist nur ein Eindruck.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.