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Das Thema Samsung Bada ist zu Ende erzählt

Samsung und sein Bada-Betriebssystem: Ein Zankapfel, ein tot gerittenes Pferd… Nicht gerade positive Kosenamen wurden über die mobile Eigenentwicklung der Koreaner ausgegossen. Zu Recht? Ich finde: Ja.

Für meinen Teil ist das Thema Bada nun endgültig zu Ende. Und damit ist auch im täglichen, mobilen Leben das Thema Samsung für mich vorbei. Es ist schade, aber man muss mit der Zeit gehen.

Bada war der mutige Versuch von Samsung, ein eigenes Betriebssystem am Markt zu etablieren. Wahre Horden an Entwicklern beschäftigten sich damit, auf einem Linux-Kern basierend ein neues, und zwar dienstbasiertes Echtzeit-System für mobile Geräte zu entwickeln. Die Pläne waren groß.

Vor ziemlich genau 4 Jahren kam das Samsung Wave S8500 als erstes mobiles Gerät mit Bada auf den Markt. Das Wave I mit Bada 1.0 war ein Achtungserfolg in Asien und Europa. Und in der Folge kam dann das Update Bada 1.1 und später dann Bada 1.2, sowie dann auch der Nachfolger Samsung Wave II S8530.

Nebenbei wurden noch kleinere Geräte gebaut. Aber schon mit Bada 1.1 war die Geschichte eigentlich durch. Man brachte alles zurück auf los, überarbeitete Bada und entwickelte ein neues Smartphone. Und dann kam Bada 2.0 und das Samsung Wave III. Und wenn man den Testberichten glauben darf, die es immer wieder gab, ist das ein wirklich tolles Gerät, auf dem das falsche System sein Unwesen treibt.

So ungefähr würde ich das auch einschätzen. Das Wave III ist wertig gebaut, ist robust, bringt einige interessante Details, wie statt eines Deckels auf der Rückseite dann lieber eine robuste Schiebevorrichtung. Die 5 Megapixel-Kamera produziert recht vernünftige Fotos. Lange Zeit hat der Akku sehr lang (3-4 Tage) gehalten. Und so weiter. Aber die Software!

OK, Bada ist schnell. Etwa 1,5 Jahre lang habe ich auch keinerlei Systemabstürze erlebt. Alle Apps haben zuverlässig ihren Dienst verrichtet. Aber es gab ja auch so gut wie keine für das System. Meine Lieblings-App, der Tweet-Caster, wurde irgendwann nicht mehr weiter entwickelt, und so wurde sie irgendwann aus dem Twitter-Universum ausgesperrt. Die Facebook-App war ein Grauen. WhatsApp, Telegram, was auch immer, es war schlicht nicht vorhanden.

Das große Problem an Bada ist das große Problem an Windows Phone: Diese Ökosysteme leben in ihrer eigenen Luftblase und wurden von den bereitstellenden Firmen völlig abgeriegelt. Da ist nichts mit Open Source. In den Store war laut Chats mit Entwicklern für eben diese kaum ein Hereinkommen. Und wenn, dann hat Samsung einen Teufel getan, dass dieser Samsung App Store für die Entwickler attraktiv blieb. Und so kam es, dass schlichtweg niemand mehr für Bada irgendwas entwickelt hatte.

Und Bada an sich wurde eben auch nicht mehr weiterentwickelt. Und so kam es, wie es kommen musste: Da die Gegebenheiten im Internet andere wurden, vor allem technischer Natur, kam es dann in den letzten Monaten immer öfter dazu, dass mein geliebtes Samsung Wave III abgestürzt ist.

Und so mache ich nun einen Strich unter die Geschichte Samsung Bada. Gern hätte ich mir auf dem an sich immernoch tollen und wertigen Wave III ein alternatives System wie badaDROID oder ein CyanogenMod angesehen. Aber Samsung war so helle, dass sie auch den Hardware-Speicher zugenagelt haben. Es ist schlicht unmöglich, ein anderes System sinnvoll auf dem Smartphone zu platzieren. Und so hat eben auch meine Wave-Geschichte ein Ende.

Da passt es eigentlich sehr gut, dass auch Matthias Schleusener und Matthias Knoth als Betreiber des großen und sehr guten deutschen Blogs BadaNIA heute fragen, was mit ihrem Blog nun passieren soll. Sie tun, was sie können, aber Bada gibt es eben nicht mehr im Portfolio von Samsung, es wird also auch nie wieder irgendwas zu berichten geben. Insofern ist die Schlussfolgerung logisch, dass man diesen Blog einstellt.

Aber auf BadaNIA wurde eben auch jede Menge Berichterstattung rund um badaDROID und NANDroid betrieben, was eben Klone waren, um mehr aus den Wave-Geräten zu machen. Aber auch hier wird die Schlagzahl geringer. Insofern kann ich die Frage bei BadaNIA durchaus verstehen. Da viele so vorgehen wie ich, nämlich nun allmählich das Bada-Gerät beiseite zu legen und ein Android-Gerät – vielleicht nicht mal von Samsung – zu nutzen, wird sich das Interesse künftig sehr in Grenzen halten. Es ist zwar schade, aber wahrscheinlich ist es besser für BadaNIA, wenn es eingestellt und bestenfalls noch als Nachschlagewerk angeboten wird.

Samsung hat viel kaputt gemacht. Mit der Galaxy-Serie werfen sie einen Knaller nach dem anderen auf den Markt, ohne auf Kundenbedürfnisse zu reagieren. Software–Eigenentwicklungen haben sie kaum noch, obwohl das mal ein so wichtiger Bestandteil war. Auf die Software haben sich viele Nutzer verlassen und viele Blogger ihre Webseiten dazu aufgebaut. Bada ist beendet, und Tizen wird nicht ernsthaft kommen. Wenn, dann als Nischenangebot. Deshalb gibt es im Tizenblog von Mirko Müller ja auch kaum etwas neues zu lesen.

Und da man sich ja doch um die 2 Jahre an ein neues Smartphone bindet, wenn man gerade keine paar-hundert Euro in der Hosentasche hat, muss einfach ein zuverlässigerer Hersteller her. Und der scheint HTC zu sein. Darum: Mach’s gut Samsung, ich werde mir etwas weniger Ärger aufhalsen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

One thought to “Das Thema Samsung Bada ist zu Ende erzählt”

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