Längst vergessen: Alphaville mit “Soul Messiah”

Letzte Aktualisierung am

“Erlöse uns von dem Übel…” – Das Album “Salvation” von Alphaville aus dem Jahr 1997 war eine Andacht. Vor allem das große Stück “Soul Messiah” auf der CD. 1997 begann ein neuer Lebensabschnitt für Sänger Marian Gold, wenn ich das so richtig sehe. Dazu weiter unten mehr. Der Messias für die Seele muss einfach mal angesprochen werden. Denn so erleben wir, wie Alphaville 1997 getickt haben, mehr als 10 Jahre nach “Big in Japan” oder “Forever Young”.

Der Soul Messiah

Es gibt zu viel Durcheinander, viele zu viele Auswirkungen des obszönen Terrors. Ich frage mich, warum ich immernoch auf dieser Welle der Besessenheit herum reite. Gibt es denn einen Grund, länger zu bleiben und auf einen coolen Messias zu warten? Gib mir doch einen Grund, für immer hier zu bleiben, um darauf zu warten, dass etwas kommt.

Es gibt zu viel Krieg da draußen, viel zu viel Einfluss von Symbolen und Bedeutungen. Ich frage mich, wieso ich immernoch in diesem Ozean der Fragen kämpfe. Gibt es denn einen Grund, noch länger zu bleiben und darauf zu warten, dass etwas passiert? Gib mir doch einen Grund, auf dieser Insel zu bleiben und darauf zu warten, dass etwas kommt.

Ist es meine Seele? Ist es dieser flüchtige Eindruck des Lichtes, den ich niemals vergesse zu erwarten? Oder bist du es, eine Art Engel, der mich für immer warten lässt? Ist es meine Seele?

Weltschmerz und Liebe

“Soul Messiah” ist das zentrale Stück auf dem völlig vergessenen und komplett unterbewerteten Album “Salvation” aus dem Jahr 1997. Das stand unter keinem guten Stern. Nach dem fast-Pop-Album “Forever Young” 1984, dem Märchen “Afternoons in Utopia” 1986, dem atemberaubenden “The Breathtaking Blue” 1994 und dem Meilenstein “Prostitute” 1994 war die Welt für Alphaville nicht mehr bereit.

Die Plattenfirma machte keine Werbung für das großartige Album. Und während der Aufnahmen entschwand Keyboarder und Gitarrist Wolfgang Neuhaus (Ricky Echolette) ins nirgendwo. Zudem handelt das Album von Erlösung und Frieden für die Seele und die Welt nach all dem Weltschmerz. Themen, die die Welt in den Neunzigern beschäftigt haben.

“Soul Messiah” spielt mit der Hoffnung, dass nun alles gut ist. Der flüchtige Blick auf das Licht, das den Messias illuminiert. Die Minute Stille. Terror, falsche Symbole und all das bleiben draußen. Und Sänger Marian Gold wird erlöst. Der Messias soll erlösen und den Weltfrieden bringen. Erbarme ich meiner Seele, scheint der Text zu flehen. Und das auf floureszierenden Synthie-Dampframmen.

Und er wurde erlöst…

Jetzt hatte ich ja eingangs davon geschrieben, dass das Lied “Soul Messiah” irgendwas mit einem neuen Lebensabschnitt von Sänger Hartwig Schierbaum – also Marian Gold – zu tun haben soll. Ja, das klingt etwas konstruiert, aber es kann schon sein, dass da etwas dran ist. Nach einem wilden Vorleben heiratete er nämlich. So erzählte es “News.de” letztes Jahr, da war die Rede von “vor 11 Jahren”.

Ab dem Album “Salvation” veränderte sich Alphaville. Statt nochmal so etwas wie “Soul Messiah” zu fabrizieren, kam es erst zu einem 9,5-Stunden-Monster namens “Dreamscapes”, das aus bisher unveröffentlichtem Material und Remixen bestand, und dann zur konsequenten Fortführung “CrazyShow” mit über 4 Stunden neuem Material, Remixen und Cover Versionen.

Die Erlösung fand mit “Soul Messiah” statt, das vor 20 Jahren in den USA als Single veröffentlicht wurde. Und erst mit “Catching Rays on Giant” 2010 wagten sich Alphaville an ein wirklich neues Album. Und hier setzte sich fort, was 13 Jahre vorher mit “Salvation” begann. Nebenbei können wir auch bei “Soul Messiah” deutlich erkennen, dass Alphaville alles, aber nie Pop waren.

Das Lied

Obwohl “Salvation” niemals große Verkaufszahlen erreichte, gehört es zum zentralen Werk von Alphaville dazu. “Soul Messiah” kommt maximal kraftvoll daher, strahlt gigantischen Optimismus aus und ist die reinste Verschwendung, wenn man es leise nebenher dudeln lässt. Darum setzt euch Kopfhörer auf und dreht die fünf Minuten so laut, wie es angenehm ist. Die Nummer geht nicht leise. Und jetzt lasst euch erlösen.

Längst vergessen: Alphaville mit "Soul Messiah"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.