Längst vergessen: „Then you turn away“ von OMD

Die Single „Then you turn away“ wird bei OMD gern vergessen. Sie stammt aus dem Album „Sugar Tax“ von 1991. Ich halte die Nummer immernoch für überaus gelungen, auch verglichen mit anderen Liedern der Briten. Zur Zeit von „Sugar Tax“ und demnach auch von „Then you turn away“ war ja OMD ein Andy McCluskey-Soloprojekt. Wobei: Diverse Lieder wurden zusammen mit dem heutigen Schlagzeuger Stuart Kershaw geschrieben. So auch das hier.

Then you turn away…

Ich wollte dich nicht sehen. Und schon gar nicht, wenn du in Höchstform bist. Ich wollte auch nicht über das Wetter reden. Und ich hätte den Test nicht bestehen können…

Ich konnte einfach nicht anders, ich musste dich einfach anrufen. Ich habe fast die ganze Woche gewartet. Denn ich wollte dich einfach nicht hören, wie du laut über mich lachst…

Es gibt Leute, die sagen, dass es offensichtlich ist, dass ich meine Zeit mit dir verschwenden würde. Und es gibt Leute, die sagen, dass es offensichtlich ist, dass ich mich verliebt hätte. Aber das ist nicht wahr.

So viele Dinge, die ich mache, und so viele Dinge, die ich sage, geben dir einfach die falsche Vorstellung. So viele Dinge, die ich mache, und so viele Dinge, die ich sage, machen bloß einen Idioten aus mir. Dann drehst du dich weg.

Melancholie in Reinkultur

„Then you turn away“ ist ein typisches Lied für OMD, was zu der Zeit besser „Andy McCluskey & Band“ hätte heißen sollen. Wer das Album „Sugar Tax“ kennt, wird sich wahrscheinlich an „Sailing on the seven Seas“ oder „Pandora’sBox“ erinnern, aber nicht an diese edle Nummer. Für mich ist dieses Liedchen eins der vielen Highlights des Albums über die Traurigkeit.

Wie in so ziemlich jedem zweiten Lied auf dem Album geht es auch in „Then you turn away“ vordergründig um eine zerbrochene Liebesbeziehung, aber vor dem Hintergrund der Bandgeschichte auch um die unrühmliche Trennung der Schulfreunde. Andy McCluskey hatte diese Begebenheit und die gerichtliche Auseinandersetzung mit Paul Humphreys ja auf manche Art auf dem Album verarbeitet.

Nur so konnte ein derart melancholisches Album zustande kommen. Und so ist eben auch die dritte Single zu verstehen. Die ist leider komplett unterschätzt worden und lief wahrscheinlich nie im deutschen Formatradio. Die Wichtigkeit der gesamten Single wird allerdings noch hervorgehoben, weil sich das Titelstück des Albums „Sugar Tax“ eben auf dieser befindet und nicht auf dem Album.

Edle Nummer und Flop

Ja, die Single war ein Flop. Weder in Deutschland, noch in Großbritannien kam die Single über Platz 50 hinaus. Das wird der Single leider bei weitem nicht gerecht. Aber das ist auch kein Beinbruch. Denn so bleibt eine ganz edle Nummer eine Art geheimnisvolle Perle im Schaffen von OMD. Mit „Then you turn away“ zeigt Andy McCluskey seine einzigartige Fähigkeit, nackte Emotionen auf kühlen Elektro-Sound zu packen.

Die gesamte Erschütterung über die Enttäuschung, die Andy McCluskey im Lied beschreibt, kommt sehr drastisch und dick aufgetragen in der Mitte der Nummer daher. Das hatte McCluskey wunderbar umgesetzt. Insofern ist „Then you turn away“ mehr als eine unterschätzte Pop-Nummer, sondern eine ganz edle Synthie-Perle, wie sie heutzutage nicht mehr vorstellbar ist.

Das Lied

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