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#zwangsbemützt – Wenn RB Leipzig zur Religion wird

Aufregung um eine Fanmütze in der Babybox von der Stadt Leipzig, die an frisch gebackene Eltern verschickt wird. Vielmehr ging es um das Trara danach. Jedenfalls gab es einen Zeitungsartikel, in dem die Rede von den Mützen war, die diesen Boxen beigelegt werden. Die Zeitung spricht von Werbung. Das kann man sicherlich so sehen. Jedenfalls entsponn sich danach via Twitter eine seltsame Aktion, wie ich sie von der Zeitung noch nicht erlebt habe. Wer Lust hat, sollte mal nach dem Hashtag #zwangsbemützt schauen.

Wie bekannt ist, tritt die Leipziger Gruppe – also die Stadtholding mit Stadtwerken, Wasserwerken und Verkehrsbetrieben – als Sponsor / Partner von RB Leipzig in Erscheinung. Und in Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig gibt sie eine Leipziger Babybox heraus. Die erhalten frisch gebackene Eltern, nachdem sie sich auf dem Standesamt die Begrüßungsmappe geholt haben. Denn in dieser befindet sich ein Gutschein zu eben jener Babybox, der auf dem Familieninfobüro abgegeben werden kann. Dann kommt die Box nach Hause.

In der Box sind ein paar Kleinigkeiten enthalten. Badethermometer oder Steckdosensicherungen der stadteigenen Betriebe, ein Latz und die Babycard der LVB und so etwas in der Art. Schön und gut. Auch die Babystrickschuhe der AOK sind nicht weiter diskussionswürdig. Überall prangen die Logos der Sponsoren. Diese Box wäre ohne Spender und Sponsoren eben auch nicht möglich. Nun stellt man aber das neueste Utensil in Frage. Denn es ist eine Fanmütze des Leipziger Erstligisten RB Leipzig. Denn darauf „wirbt“ RB Leipzig – und steht in Verdacht, für Red Bull zu werben. Das ist die Mütze, und ich kann keine Werbung für den Energy Drink erkennen. Und dann nahm das Theater durch einen der ersten Tweets zum Hashtag seinen Lauf:

Für mich wirkte das so, als würde sich die Zeitung einen Spaß aus der Sache machen. Denn irgendwie nahmen die Fans von RB Leipzig die ganze Sache krumm. Mir kam es so vor, als würde man die Meinung vertreten: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“. Rational über RB Leipzig nachdenken, scheint unerwünscht zu sein. Jedenfalls während dieser Aktion mit dem Hashtag. Ob das am Ende so von der Leipziger Internetzeitung (LIZ_de) beabsichtigt war, weiß ich nicht. Ich kann es mir fast nicht vorstellen. Aber diese Aktion zündete, das ist mal klar.

Ich weiß nicht, wie es andere sehen. Aber es muss doch möglich sein, Dinge bei RB Leipzig gut zu finden, die wirklich gut sind. Es muss aber auch möglich sein, Dinge zu kritisieren, wenn es angebracht ist. Beim damaligen LR Ahlen, der nun mittlerweile Rot-Weiß Ahlen heißt, wurde stets die fehlende Substanz beklagt. Dabei gab es den Verein etliche Jahre, bevor LR Cosmetics eingestiegen war. Red Bull hat ja RB Leipzig erst aus der Taufe gehoben. Wo soll denn da die Substanz herkommen? Ich meine das gar nicht bösartig. Ich denke nur halt, dass man das etwas entspannter sehen muss.

Die Sache mit der Babybox und dem Hashtag zeigt irgendwie, wie dünnhäutig man da ist. Das muss aber gar nicht sein. Man darf sich ruhig entspannen. Sicher, die Babybox muss man nicht so bestücken, dass es da vom Erstligisten aus der Region eine Mütze gibt. Was sagen denn da die Erstliga-Handballer vom SC DHFK oder die Handballerinnen vom HC Leipzig? Die wurden sicher nicht gefragt, ob die da Mützen für die Babybox geben. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt. Es ist natürlich Quatsch, dass mit der Mütze für Red Bull geworben wird. Darum bleiben wir mal ganz cool.

Und was RB Leipzig betrifft, darf man auch gern ganz cool bleiben. Der Club baut nun einmal erst seine Tradition auf. Selbst wenn man es noch so sehr will, das wird nicht schneller gehen. Und wenn man jeden, der an dem Club einen Kritikpunkt findet, runtermacht, macht es die Sache auch bloß nicht besser. Die Zeitung hat natürlich provoziert. Und sie hat damit gezeigt, wie schnell man Fans aus der Contenance bringen kann. Mir ist klar, dass das bei den anderen Fußballclubs in Leipzig nicht anders ist. Deren Fans werden auch ungehalten, wenn man sie oder deren Jubel-Club kritisiert.

Und das bringt mich dann auf eine bahnbrechende Idee: Sind die Fans von RB Leipzig und ist damit die Fankultur vielleicht nicht normaler, als man sich das vielleicht denkt? Fußball ist für die Fans eine Religion. Das ist bei Borussia Dortmund oder dem 1. FC Köln oder dem FC St. Pauli nicht anders als bei RB Leipzig. Der Hauptunterschied ist halt das Alter und die Fuschlsche Starthilfe. Dass man direkt bei letzterem Aspekt Bauchschmerzen bekommt, darf irgendwie nicht verwundern.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass Red Bull nicht nur 99% der Anteile an der Spielbetriebs-GmbH hält, sondern dass der Club dem Investor über 50 Millionen Euro schuldet. Das darf man gern alles kritisieren. Und ich finde, dabei darf man auch gern polemisch werden. Das werde ich ja auch. Wer dann die Autoren derartiger Kritik als „RB Hater“ beschimpft, ist dann – und da bin ich gänzlich emotionslos – eben „zwangsbemützt“.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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