Leistungsschutzrecht und Uploadfilter: Was für ein Krampf!

Gestern entschied sich das Europäische Parlament für die Einführung von Leistungsschutzrecht und Uploadfilter. Und damit bekommt das Internet einen Schleier. Es gibt eine ganze Menge Leute, die sich dazu geäußert haben. Deshalb muss ich das nicht so sehr ausdehnen. Aber ein paar Gedanken muss ich dazu einfach mal loswerden.

Warum Leistungsschutzrecht und Uploadfilter?

Warum hat man denn nun eigentlich dafür gestimmt, Leistungsschutzrecht und Uploadfilter auf europäischer Ebene einzuführen? Man hat doch gesehen, wie „toll“ das in Deutschland funktioniert hat. Nun kommen für Betreiber von Plattformen umfassende Pflichten für die Filterung, und Textausschnitte in Suchmaschinen und anderen Aggregatoren werden kostenpflichtig.

Axel Voss, "Vater" des euroäischen Leistungsschutzrechts - <a href="https://twitter.com/WikimediaDE/status/1039834480008224773" target="_blank">via Wikimedia Deutschland</a>
Axel Voss, „Vater“ des euroäischen Leistungsschutzrechts – via Wikimedia Deutschland

Es war ein großer Sieg für den Vater des Ganzen, Axel Voss. Dabei hat er nicht den Hauch einer Ahnung, was das für das freie Internet überhaupt bedeutet. Es war auch die Rede davon, dass er gar nicht von allen Einzelheiten wusste, die in seinem Entwurf standen. Leistungsschutzrecht und Uploadfilter also aus der Feder von jemandem, der gar nicht wusste, was er schrieb. Heissa, das wird ein Spaß.

Offenbar war auch einer ungefähren Zwei-Drittel-Mehrheit im Europäischen Parlament gar nicht klar, worüber sie abstimmen. Wenn selbst Urheber dagegen aufbegehrten (und deren Rechte sollten ja eigentlich mit dem Quark geschützt werden), dann ist doch eigentlich klar, wie absolut weltfremd diese ganze Entscheidung ist.

Was passiert als nächstes?

Das, was Leistungsschutzrecht und Uploadfilter genannt wird, können wir als reine Lobby-Entscheidungen abheften. Sie wissen ja bestimmt als Leser, was ich von dem Kram halte. Und dem Reden der Springer-Sprachrohre würde ich ja auch davon profitieren. Aber das Internet lebt nun einmal vom Geben und Nehmen. Man teilt Erkenntnisse und Inhalte und bekommt jede Menge zurück.

Was nun aber als nächstes passiert, ist vollkommen unklar. Für Plattform-Betreiber wie Facebook bedeutet der ganze Unfug natürlich, dass mehr Arbeit entsteht. Und die kostet. Wer bezahlt das? Die Nutzer. Wer denn auch sonst? Aber darüber hinaus dürfen wir durchaus enorm gespannt sein, was da alles passieren kann.

Das geht so weit, dass ein Verbot des aktiven Verlinkens kommen könnte. Sprich: Der Link jetzt eben dürfte nicht mehr klickbar sein. Ob das Ganze so weit geht, können wir uns natürlich nicht vorstellen. Aber Fakt ist – und das steht auch im zuletzt verlinkten Artikel:

das freie Internet ist tot, kaputt gemacht von alten fetten weissen Männer die immer noch Google ausdrucken

Nun werde ich nie wieder auf Verlagsinhalte verlinken. Und vielleicht werde ich auch künftig keine Medien-Artikel mehr in die sozialen Netzwerke kegeln. All das ist kompletter Irrsinn. Aber er ist offenbar in Brüssel so gewollt. Und damit will man Google schaden? Lasst euch nicht auslachen.

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6 Kommentare

    1. Das stimmt. Ich dachte, das wäre ein Anzeigeproblem. Aber wahrscheinlich macht da „Shariff“ nicht mehr mit. Wobei: Twitter hatte das schon längere Zeit unterbunden. Aber ich werde es rausnehmen. Danke für’s Teilen.

  1. Gutes Statement, Henning. Wahrscheinlich hat Springer den Text für Voss geschrieben. Hab gelesen, dass das in diesen Kreisen durchaus vorkommt. Lobbyisten schreiben Gesetzestexte ja in Ministerien auch schon mal selbst. Dass die Heinis nachher nicht Bescheid wissen ist zwar peinlich hoch 3. Aber von solchen Dingen lassen sich unsere Politiker längst nicht mehr beeindrucken. Hauptsache, die Kohle stimmt. Oder wie „Graf Zahl“ so schön sagte: Politiker sind nicht an Weisungen gebunden, nur an Überweisungen“.

    1. Hallo Horst,

      es hat etwas mit der Antwort gedauert. Das kann schon sein, dass da Döpfner dem Voss einen fertigen Text vor die Füße geworfen hat. Insofern kann das schon so gewesen sein. Ein Indiz ist ja auch seine eigene Unkenntnis.

  2. Ich nutze Shariff auch. Der Zähler zählt (auch Twitter) und ich gebe ihn nicht nur in der Schaltfläche unten, sondern auch oben in den Meta-Daten aus. Allerdings: In anderen Blogs funktioniert der Zähler nicht. Warum verstehe ich bis heute nicht. Ich dachte, es läge (wie oft) am Cache. Das scheint aber nicht der Fall zu sein, denn ich habe in den 3 Blogs dasselbe Cache-Plugin (WP-Rocket).

    1. Jetzt weiß ich, was du mit den Metadaten meinst. Das ist schon alles sehr seltsam mit Shariff. Ich habe erstmal die Ausgabe der Zahl als Überschrift entfernt und zeige in den Buttons an. Mal beobachten, wie sich das entwickelt. Angeblich hat das Alles nichts mit Caching zu tun.

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