Europäisches Leistungsschutzrecht: Das Ende ist nah

Übermorgen kommt es zu einer Entscheidung des Rechtsausschusses des Europäischen Parlaments zum Urheberrecht. Es geht um europäisches Leistungsschutzrecht. Ich werde meine Webseite – also meinen Blog – nicht nochmal komplett durchsuchen, um eventuellen Problemen vorzubeugen. Ich habe keine Ahnung, ob da etwas zu tun ist. Und es ist auch egal. Aber müssen wir uns überhaupt solche Gedanken machen, wie man derzeit überall sieht, liest und hört?

Europäisches Leistungsschutzrecht: Was bedeutet das?

Man lässt sich schnell anstecken. Von Euphorie, von Aufregung, von allem möglichen, so lang es genügend gleich tun. Am Ende muss man sich allerdings fragen, ob es gerechtfertigt ist, hier nun den Aufregungswichtel zu spielen. Was bedeutet es denn, wenn die Urheberrechtsreform kommt und ein europäisches Leistungsschutzrecht, einen Upload-Filter und all das mitbringt?

  • Keine Artikelvorschau: Die Verlage sollten gestärkt werden. Und die argumentieren, dass die Internetkonzerne ihnen die Inhalte klauen. Von daher wird es keine Vorschau auf Artikel mehr geben. Auch manche Suchmaschinen-Ergebnisse werden nicht mehr angezeigt.
  • Netzfilter / Upload-Filter: Beim Upload von Inhalten – also auch beim Teilen in den sozialen Netzwerken – werden diese Inhalte auf Urheberrechtsverletzung geprüft. Der Teaser (siehe weiter unten) wäre somit lizenzpflichtig.

Der Teaser: Flyer für die Internet-Taxis

Sie sehen eine kleine Galerie mit Posts in den drei großen Netzwerken. Alles unterhalb meines individuellen Textes ist ein Teaser. Und das soll alles kostenpflichtig werden und unter das Leistungsschutzrecht fallen. Mit solchen Dingen wollen die Verlage von den Internet-Konzernen Geld einsammeln. So wie der Restaurant-Besitzer Geld für die Flyer haben will, die er in den Taxis auslegt. Wie bekloppt ist das eigentlich?

Denn eines ist mal klar: Die Verlage – genau genommen alle Webseiten – wollen das so. Die wollen, dass genau solche Teaser entstehen. Andernfalls könnten sie das Ganze auch gut und gern unterbinden. Aber es ist halt nicht gewollt, dass man die Posts übersieht. Google, Facebook und Co. sollen Auszüge anzeigen. Und jetzt sollen sie auch noch dafür bezahlen. Sorry, das ist meine Meinung, aber für wie doof werden die Internet-Riesen eigentlich gehalten?

Gratismentalität FTW!1!

Durch ein europäisches Leistungsschutzrecht geht es endlich der verdammten Gratismentalität an den Kragen. Das wurde auch Zeit! Und wer die Ironie gefunden hat, darf sie gern behalten. Es geht doch gar nicht darum, dass das Urheberrecht gebrochen wird. Es geht einzig und allein darum, dass Verlage Einnahmen generieren. Das, was sie eh bewusst frei zur Verfügung stellen, soll nun versilbert werden.

Seitdem die Verlage das Internet für sich entdeckt haben, bewerfen die ihre Leser immer mit frei erhältlichen Texten, garniert mit einem Haufen Werbung. Das ist deren Geschäftsmodell. Dann kamen die Werbeblocker auf. Und die Verlage fingen an, die Leser mit den Apparaturen auszusperren. Man soll die Dinger ausschalten oder bezahlen. Aber hätte man sich nicht von vornherein ein Geschäftsmodell ausdenken können? Nun nach der EU zu rufen und Google und Facebook und jeden Nutzer als Diebe zu bezeichnen, ist unredlich.

Natürlich ist Journalismus Arbeit. Natürlich kostet ein Verlag Geld. Nachdem den Nutzern aber erst eingeredet wurde, das Internet würde nichts kosten, können sie nun schlecht hergehen und alles versilbern wollen. Mir ist nicht so richtig klar, wieso nun wieder andere schuld sind, wenn den Verlagen nicht einfällt, wie sie im Internet ein Geschäft machen können, mit dem alle leben können. Das hat aber nichts mit Gratismentalität zu tun.

Ist es das Ende des Internets?

Uploads sollen automatisiert geprüft werden. Links sollen eine Gebühr kosten. Alles in allem ist das Alles eine ziemlich prekäre Situation. Diese Entwicklung ist realitätsfern und dürfte das Internet gewaltig einschränken. Aber ob das nun gleich das Ende desselben ist, muss man abwarten. Schon beim deutschen Leistungsschutzgeld -recht für Presseverlage waren für das normale Internet-Publikum die Auswirkungen eher übersichtlich.

Ich werde jedenfalls hier nichts ändern. Je mehr Änderungen man macht, desto mehr verunsichert man sich selbst. Selbst wenn die Herrschaften im Rechtsausschuss des europäischen Parlaments dazu entschließen, diese Reform so durchzuziehen, wird es vermutlich nicht gleich das Ende des Internets bedeuten. Zusammen genommen mit den anderen Dingen, der DSGVO und der Facebook-Sache, ist es aber schon schwer alarmierend, was da passiert.

Man kann jetzt noch so sehr darauf aufmerksam machen, dass doch bitte jeder den Abgeordneten im Europa-Parlament auf den Geist gehen soll. Vielleicht würde das auch etwas bringen wie beim steten Tropfen und dem Stein. Aber dafür interessiert das Thema offenbar nicht genügend Menschen. Bis dann irgendwann jeder Klick strafbar und / oder kostenpflichtig ist.

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2 Kommentare

  1. Was wird passieren?
    … kurzfristig werden Blogger das Nachsehen haben und müssen sich erneut Gedanken machen wie sie für Inhalte sorgen können.

    …langfristig aber wird genau das dazu führen dass die Verlage das Nachsehen haben werden denn die Blogger werden einen Weg finden um für alternative Informationen zu sorgen und diese werden wiederum im Wettbewerb zu denen Verlagen stehen, gleiches haben wir ja bereits mit der Blogger Schwämme der letzten Jahre erlebt.

  2. Alternative Informationen? Echt? Ich mach dann was wie Breibart oder so. Sind das alternative Informationen genug? Ich habe einen Blog, den ich ganz schnell schließe, weil er hauptsächlich von Links zu anderen Seiten „lebt“. Bei einem zweiten ist diese Abhängigkeit nicht ganz so arg und bei HorstSchulte.com glaube ich, könnte ich auch ganz ohne Links zurecht kommen. Ein neues Internet europäischer Prägung. Nur Text, keine fremden Bilder, keine fremden Links und auch keine fremden bewegten Bilder. Echt fortschrittlich, diese EU. Was die wohl machen, wenn die davon hören, dass woanders intensiv an künstlicher Intelligenz gearbeitet wird? Dann werden die wohl zuerst mal Angst um ihre Arbeitsplätze haben. Nicht, weil sie dann ihre Fehler einsehen würden, sondern weil sie ahnen, dass Opfer ihrer gepflegten Dystopie geworden sind.

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