Blogger-Ranking: Warum machen wir uns verrückt? - Bild von Jan auf Pixabay

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Blogger-Ranking: Warum machen wir uns verrückt?

Ich bin eine kleine Nummer im Blogger-Ranking. Ich kann euch sagen, dass es mich vor Jahren noch dazu getrieben hätte, noch irgendwas einfach mal so rauszuhauen. Ob das gehaltvoll war oder nicht, spielte dabei eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Denn das fand zu einer Zeit statt, als man einfach nur „Traffic“ generierte und diesen mit möglichst viel „Content“ zu erreichen suchte. Das war wie eine Droge. Ich bin froh, dass ich damit nichts mehr zu tun habe. Aber ich will euch trotzdem was dazu erzählen.

Was ist das mit dem Blogger-Ranking?

Ich dachte ja erst, so einen Quatsch wie dieses dämliche Blogger-Ranking gibt es gar nicht mehr. Ich weiß gar nicht mehr, wie die SEO-Butze damals hieß, die Jahr für Jahr irgendeine wildgewordene Liste mit Blogs veröffentlicht hatte, in der allerlei Blogs in einem völlig wüsten Blogger-Ranking aufgeführt waren. Unter ferner liefen… Da standen dann Blogs wie meiner. Klar war ich neidisch auf all die Blogs, die vor mir im Ranking waren.

Das Problem dabei war, dass ich der Meinung war, dass andere Blogs auch nicht besser waren wie meiner einer. Warum, verflixt noch eins, standen die vor mir in diesen Listen? Ich tauchte ja nicht mal unter den „100 relevantesten Blogs Deutschlands“ – oder wie der Quark hieß – auf. Ich verglich dann mal. Und ich stieß darauf, dass alle Blogs auf den ersten – sagen wir mal – 20 Plätzen etliche Artikel pro Tag veröffentlicht hatten. Also war der Gedanke, genau das auch zu tun.

Als ich neulich mal alle meine Artikel durchging, stieß ich natürlich auch auf all die Artikel aus der Zeit. Lächerliche, nichtssagende 0815-Dinger, denen man zum Teil anmerkte, dass die nur dafür da waren, ein Sandkorn mehr in der Wüste zu sein. Und dabei hatten mich Fließband-Blogger immer aufgeregt. Aber letztlich war ich jahrelang auch so einer. Nur halt ohne viel gehaltvollen Inhalt. Ich hab kein Gefühl, ob das besser ist. Mein Bauch sagt aber schon, dass das nun deutlich anders ist als damals.

Aber den Quatsch gibt es immernoch

„Rank: 912 von 3338 angemeldeten Blogs“ erzählt mir die Mail der „Daily Statistik“ der Bloggerei. Ich habe ja erzählt, dass ich dort wieder registriert bin. Also macht dieser Laden zumindest noch so etwas wie ein Blogger-Ranking. Ja, die Bloggerei spielt selbst kaum noch eine Rolle. Und prinzipiell interessiert mich das auch nicht sonderlich. Dennoch muss ich mal erzählen, was die einem zu dem „Rank“ so mitgeben. Die erzählen nämlich:

Dieser Wert spiegelt die Platzierung von deinem Blog innerhalb der Bloggerei wieder, der Rank setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen, z.b. Anzahl und Häufigkeit deiner Postings, Bewertungen, Pagerank und weiteren Kriterien.

(Bloggerei Daily-Statistik)

Haben die sich ernsthaft eine Art Algorithmus gebastelt? Ich wollte doch eigentlich mit so etwas nix mehr zu tun haben, weshalb ich mich auch aus den Plattformen zurückgezogen hatte. Und irgendwie stellt sich da die Frage, was ich damit anfangen soll. Und schon gucke ich weiter und recherchiere, ob es noch woanders irgendein Blogger-Ranking gibt. Und in der Tat. Im Juni 2022 gab es den Blogger-Relevanzindex. Und das ist dann schon lustig.

Der wird berechnet. Kennwerte sind die Sichtbarkeit des Blogs im Internet, die Anzahl der Verlinkungen auf den Blog, Social Media, die Aktivität des Blogs und die Interaktion des Blogs mit der Community. „Berechnung“, really? Ach, und für den Index muss ich mich anmelden. Wofür genau ist denn so etwas gut? Manipuliere ich damit wieder irgendwelche Suchergebnisse oder tanze irgendwelchen Geldgebern irgendwas vor? Ich weiß nicht, ich weiß nicht.

Wahrscheinlich muss da so sein

Ich bin ehrlich: Ich habe Bauchschmerzen wegen all der Berechnungen, Algorithmen, Listen und sonst was alles. Aber wahrscheinlich kommst du heutzutage gar nicht um so etwas herum. Ich meine, eigentlich will ich ja schon, dass mein Blog gelesen wird. Wer will das nicht? Und mit „3 Euro ins Phrasenschwein“ komme ich mal mit der größten mir bekannten Phrase daher: „Klappern gehört zum Handwerk“. Muss ich deshalb beim Blogger-Ranking mitmachen?

Unten seht ihr das lustige Icon für die Bloggerei. Derlei gibt es viele andere noch. Muss ich da wirklich angemeldet sein, damit ihr meine Artikel lest? Am Ende sind wir bei so einem Blogger-Ranking vielleicht auch bei so etwas wie Leumund. Wenn beim Relevanzindex auch zählt, wie oft auf das eigene Machwerk verlinkt wird, ist das schon Leumund. Weil deutsche Blogger es ja nicht so haben mit der Verlinkung. Aber da kann ich mich auch täuschen.

Wenn das also mit dem Blogger-Ranking irgendwie relevant ist, damit meine Artikel gelesen werden (Was ich ja durchaus will), dann muss ich mich dem wohl beugen. Ich meine, wenn ich so diverse Blogverzeichnisse durchgucke, dann sind viele Blogs, denen ich so folge, irgendwo registriert. Aber gehört das wirklich alles zum Blogger-Ranking? Ich weigere mich, Social Media als ein nützliches Vehikel für den Blog zu akzeptieren. Aber sonst?

Ich wollte mich nie wieder von irgendwas abhängig machen. Großspurig habe ich getönt, dass mir das doch alles egal ist. Aber wenn ich nicht nur für mich und ein paar Stammleser bloggen will, komme ich wahrscheinlich doch nicht um so etwas herum, dass ich mir über solche Listen Relevanz verschaffe. Was immer das heißt. So lang ich nicht in die Plattformen zurück muss, kann ich das ja mal ausprobieren. Oder was meint ihr?

Würde sich das Ergebnis durch die Teilnahme am Blogger-Ranking verändern?
Würde sich das Ergebnis durch die Teilnahme am Blogger-Ranking verändern?

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9 Kommentare zu „Blogger-Ranking: Warum machen wir uns verrückt?“

  1. Hi Henning,
    jau – das ist so: „klappern gehört zum Handwerk“ – die Frage ist, wie laut man klappert. Ich leiste mir den Luxus Beiträge dann zu schreiben, wenn ich es für nötig erachte. Da kann dann auch mal über 1 Monat vergehen, dass auf meinem Blog nichts Neues veröffentlicht wird. Für google und auch für Follower eher unschön. Aber ich halte es nicht wie andere Blogger, Beiträge quasi „auf Vorrat“ zu schreiben um Sie dann zu veröffentlichen, wenn man mal eine Schreib-Blockade hat. Die eher wenigen Beiträge von mir sind dann aber auf SEO getrimmt um bei google recht weit oben zu sein. Grade weil ich auch schon mal bei einigen Blog-Verzeichnissen war und gesehen habe, wieviel tausend andere Blogs es gibt. Dazu kommt, dass ich meinen Blog thematisch nicht mal richtig einordnen kann. Er ist weder ein privater Blog, noch ein Technik-Blog, noch ein Lifestyle oder Koch-Blog. Es ist eben ein buntes Magazin – so abwechslungsreich wie das Leben.
    Die Abkehr von den sozialen Medien hat auch dazu geführt, dass meine Schimpfkanonaden über die ganzen Bekloppten da draußen merklich weniger geworden sind. Was ich nicht mitkriege regt mich nicht auf und das muss ich auch nicht auf meinem Blog aufarbeiten.
    Für mich ist das Ranking eine Messlatte, wo ich mich befinde – besser geht immer! Aber da verlasse ich mich nicht auf das seltsame Ranking der Blog-Verzeichnisse. Die sind für mich nun wirklich nicht relevant. Die zeigen mir nur, wieviele Blogger es sonst noch gibt, die ihr Stückchen Internet-Berühmtheit bekommen wollen.
    Bleib gesund und nutz das schöne Wetter.. ;-)
    CU
    P.

    1. Ich schreibe auch viel lieber dann, wenn es mir passt und ich es für nötig erachte. Wann denn sonst? Das ist kein Luxus, sondern normal, mein lieber.
      Ich hab das selbst mal in einem Experiment versucht, als vor Jahren die ganzen Besserwisser um die Kurve kamen und einem erzählt haben, man soll immer 10 Artikel auf Vorrat haben. Nein, muss man nicht, denn die sind dann nur Mist.
      Ich kann meinen Blog auch nicht thematisch einordnen. Was soll das denn für eine Rubrik sein? Beobachtungen von der Fensterbank, ganz toll. Also so wie bei dir.
      Stimmt, wer sich den Luxus des JOMO in Bezug auf Social Media gönnt, muss über den ganzen Irrsinn dort nichts mehr erzählen.
      Ich habe verschiedene Blog-Verzeichnisse mal unter die Lupe genommen. Eins wird von einem betrieben, der auch einen Schwurbel-Blog betreibt, den er auch noch „News“ nennt. Eins wird von einem Inneneinrichter betrieben. Was sind das denn für Verzeichnisse?
      Da lobe ich mir ein Verzeichnis wie „Trusted Blogs“, wo es eben ein Ranking gibt.

  2. Hallo Henning,

    Blogger-Ranking – natürlich muss es so etwas geben. Wenn man etwas vergleichen kann, dann will jeder den Längsten haben. Entschuldige die Wortwahl, aber ich hab mit Absicht nicht das Wort mit dem …vergleich benutzt, obwohl es genau das am besten trifft.
    Natürlich sind SEO, Schlagworte und der ganze Kram wichtig. Aber doch nicht, um irgendeinen Irrsinn in Sachen Ranking zu erfüllen! Bei mir geht es doch damit primär darum, dass ich mit den Themen, über die ich schreibe, die Leute erreiche, die danach suchen. Aber auf keinen Fall, um viel Traffic zu erzeugen.
    Wie Dr. Nerd schon schreibt – mehr geht natürlich immer. Aber wie viel „mehr“ ist sinnvoll? Ich kann mich an eine Blogseite erinnern, wo sich der Autor rühmte einen Google-Score von 100/100 zu haben, für jeden Beitrag. Jetzt wollte ich mir seine Bilder von einem Reisebericht ansehen. Ja, die Seite war nach 1 Sekunde geladen, Google war happy. Aber Dutzende hochauflösende Bilder kamen Minuten später, ich war sauer. Also kann jeder für sich selbst entscheiden, wen er glücklich machen will – die Maschinen oder die Leser. Ich bin für letzteres.

    1. Hallo Jan,
      Ja, über den Längsten kann man lang und breit vortrefflich diskutieren. In Bezug auf Blogs und so gibt es die absurdesten Vergleiche. Ich habe gar keine Lust, das weiter auszudehnen.
      Ja, genau, ich will doch auch wissen, ob das irgendwie ankommt, was ich so schreibe. Da ich mich aus Social Media zurückgezogen habe, muss ich anderweitig klappern. Denn ich will ja auch, dass man den Kram hier noch weiter gern liest.
      Natürlich geht immer mehr Aber nicht um jeden Preis. Dein Beispiel zeigt ganz hervorragend, wohin dieser Optimierungs-Irrsinn führen kann. Irgendwann ist dann eben auch mal Schluss.
      Nein, ich blogge auch nie für die Maschinen. Deshalb sind mir diese ganzen Algorithmen, die mich einsortieren wollen oder mir sonstwas als besonders relevant verkaufen wollen, überaus suspekt. Dann lieber die eigenen Leser.

  3. Ja, Henning, das mit dem Ranking ist wirklich so eine Sache. Wenn ich deine Google-Werte irgendwann auch habe, würde ich mich freuen. Meine Werte sind aber auch nicht so schlecht. Jedoch achte ich beim Schreiben nicht so darauf, was Google gerne haben möchte. Ich schreibe über alles für mich und meine Leserinnen. So ähnlich wie du.

    Lorenzo

      1. Und ich finde es gut, dass du auch denkst.

        Wenn ich die ganzen Bloggertipps verfolge, habe ich auch nicht mehr Lesser*innen. Und den SEO-Scheiß kapiere ich ebenfalls nicht richtig. Aber das ist auch im Grunde wirklich egal Ich schreibe wie ich möchte und nicht angepasst.

        Lorenzo

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