Blogs wirken, deshalb: Hands on Blogging!

Es ist nicht das erste Mal, dass ich darüber schreibe, wie sehr Blogs wirken können. Aber nach langer Zeit muss ich das mal wieder machen. Hintergrund ist, dass der Hashtag #BlogsWirken geboren wurde. Es geht darum, dass zu wenigen Bloggern auch nur ansatzweise die Wertschätzung entgegengebracht wird, die sie verdienen. Nein, ich meine damit nicht mich. Ich meine die Blogger insgesamt. Und deshalb muss ich da mal was aufschreiben. Dazu hat die Katrin Hilger zu einer Blogparade aufgerufen. Und das passt in meinen Abwasch der Woche.

Blogs wirken? Doch aber nicht über Blogparaden

Ich wollte nie, nie, nie und abermals nie wieder an einer Blogparade teilnehmen. Es war ja auch vor 2,5 Jahren oftmals so, dass solche Blogparaden wie Selbsthilfegruppen der beteiligten Blogger wirkten. Und spätestens, als meine eigene Blogparade komplett schief ging, habe ich mich nach dem Sinn gefragt. Ich rief damals dazu auf, dass Blogger mal ein paar positive Aspekte über Sachsen aufschreiben. Reaktion: Nada, niente, nothing.

Wenn ich mir Langzeit-Statistiken anschaue, dann ging meine eigene Blogparade komplett unter. Oder gibt es wirklich nichts positives über Sachsen zu erzählen? Haben wir uns im grünweißen Bundesland schon dem Dauervorwurf „Hort des Faschismus“ ergeben? Ich wollte das nicht glauben, deshalb die Blogparade. Aber das Resultat lässt mich an einem positiven Bild zweifeln.

Ob Blogs wirken, wenn man eine Blogparade nach der anderen macht, wage ich demnach zu bezweifeln. Aber ich weiß es schlichtweg, dass Blogs wirken. Und deshalb mache ich bei dem mit, was die Katrin Hilger da vom Zaun gebrochen hat. Sie wirken auf eine Weise, dass eigentlich keine Blogparaden notwendig sind. Aber nun gibt es sie, und da mache ich natürlich mit.

Bringt Bloggern Wertschätzung entgegen!

Es soll nicht so sein, dass Blogger in den Himmel gehoben werden. Aber nur weil ein Artikel ein Blogartikel ist und kein Bericht auf einem News-Portal, ist der nicht weniger wert. Und ich rede nicht von solchen, die sich Influencer nennen wollen und dann von einem „Blog auf Instagram“ plappern. Die Medien übrigens gleich mit. Es gibt keinen Blog auf Instagram, aber das wissen die doch nicht.

Wie glaubwürdig ist denn jemand, der eine Waschmittelflasche am Strand im Arm hält und dazu irgendeinen nichtssagenden Satz unters Bild klatscht? Aber genau so läuft halt Instagram ab. Oder YouTube: Da kippen irgendwelche frisch lackierten Püppchen ihren Einkauf vor laufender Kamera aus und nennen das „Beitrag mit Niveau“.

Damit ist es dann klar, dass die im Internet publizierenden Menschen unseriös wirken und man sich ja nur an den „echten Medien“ orientieren kann. „Qualitätsjournalismus“ nennen sie das. Dazwischen hocken die Blogs und werden komplett übersehen und damit nicht ernst genommen. Aber ist das gerechtfertigt? Oder tut man den Blogs damit unrecht? Schließlich haben die Medien genug dafür getan.

Bloggern wurde viel unrecht getan. Nein, ich will mich dabei gar nicht ausheulen. Das liegt mir nicht. Ich meine halt nur. Es waren Blogger, die sich in der Ukraine zum Maidan in Gefahr gebracht haben. Es sind Blogger, die über Artikel 13 aufklären. Und von Bloggern gibt es Rezepte, Bauanleitungen, Gestaltungstipps, Anleitungen. Das darf man gern wertschätzen.

Impulsgeber, Schrittmacher, Aufklärer

Mein Blog wurde in den letzten Jahren häufig dafür aufgesucht, weil jemand eine Antwort auf eine Frage haben wollte. Ich habe über eine fingierte Startseite berichtet, die durch Schadsoftware in einem gefälschten VLC Media Player verteilt wird. Gefälschte Registrierungsanforderungen der chinesischen Domain Registrierung trafen ein. Ich habe über den Zwist zwischen einem Informatiker und einem Sender erzählt.

So kann man das weiterführen. Ich lese sehr, sehr oft davon, dass man sich bei mir für meine Arbeit als Blogger bedankt. Ich bekomme dafür keinen Cent. Und das trotz der Tatsache, dass man über den PayPal-Button unter jedem Artikel an diesen Blog spenden kann. Demnächst unterbindet ein Browser alle möglichen Tracker, wodurch dann meine Einnahmen über die VG Wort noch mehr abnehmen werden.

Aber dennoch macht man weiter. Es werden weiter die Debatten über Bürgerrechte voran getrieben, Kochrezepte erstellt und verteilt, Tipps für Heimwerker verteilt, Reisetipps gegeben und, und, und. Schauen Sie mal in die deutschsprachige Blogger-Welt. Blogger geben Impulse, klären auf und treiben oftmals die Debatte an. Können dann Blogs unwichtig sein?

Und da habe ich noch kein Sterbenswort zu Fachblogs, Themenblogs und dergleichen mehr geschrieben. Das mache ich auch wohlweislich nicht, da das für mich selbstverständlich ist, dass das bei denen genau so ist wie bei den meisten anderen Blogs. Blogs wirken auf ihre eigene Art und Weise. Aber sie haben halt keine Lobby.

Es geht nicht um den „Betrag X“

Was glauben Sie, wie viele „Kooperationen“ ich in einer Woche angeboten bekomme? Es vergeht kaum ein Tag, in der nicht mindestens eine windige Email eintrifft, in der man mir einen „maßgeschneiderten, themenbezogenen Artikel“ andrehen will. Man bezieht sich dann auf „Sehr geehrte Damen und Herren“ (wenn überhaupt) und weist auf „Eines Ihrer Projekte“ hin und meint meinen Blog. Großartig.

Ich habe keine Ahnung von Werbung. Das gebe ich auch zu. Aber wenn ich irgendwo irgendwas platzieren würde, würde ich mich ja mit dem Werbeplatz erstmal beschäftigen wollen. Hier im Blog schreiben keine Damen und Herren, sondern nur ein einziger Herr. Und der hat nur ein „Projekt“, wobei der Begriff ja zeitbezogen ist und auf meinen Blog nicht zutrifft.

Oftmals erhalte ich auch Anfragen, in denen man mich ernsthaft fragt, wie denn die Konditionen aussehen, zu denen man hier was abkippen kann. Das ist die pure Frechheit, weil man das über den Menüpunkt „Werbung“ leicht erfahren kann. Die größte Frechheit ist aber nach wie vor, dass diese Agentur-Heinis nicht bereit sind, Blogger, die sie beauftragen, vernünftig zu bezahlen.

Schauen Sie mal, wie umfangreich ein Blogartikel werden kann. Und gerade, was persönliche Blogs betrifft, zählt vor allem der Mensch dahinter. Wenn sich die PR-Kasper nicht mal die Mühe machen, sich damit zu beschäftigen, wie Blogs wirken, können wir es eigentlich sein lassen. Deshalb lehne ich solche Angebote meistens auch dankend ab.

Was schreibt man denn so in diese Blogs?

So eine Frage bekomme ich auch heutzutage immer wieder mit. In reichlich einem Monat wird mein Blog 10 Jahre alt. Und bis heute hat sich da nicht viel geändert. Blogger werden meistens noch als Freaks angesehen, die sich hinter Pizzakartons und Monitor verschanzen. Frei nach dem Motto: „Der Junge muss an die frische Luft!“

Blogs wirken auch deshalb so gut, weil sie sich eben nie wirklich eingrenzen lassen. Ich kenne Technik-Blogs, die vom puren Breittreten von Hightech-News dazu übergegangen sind, die IT-Welt zu erklären. Und auch mein Blog hat sich immer wieder gewandelt. Weil ich mich ständig hinterfrage. Haben Sie schon eine Zeitung erlebt, die sich hinterfragt?

Es gibt auch Medienmenschen, die Blogs betreiben. Einer davon schrieb mal „Ich bin nur hier, um zu zeigen, dass nicht alle so waren“. Ich weiß nicht mehr, wer das war und ob das Zitat so stimmt. Wenn wir mal abseits von schreienden Schlagzeilen und Überschriften auf die leisen Themen achten, stellen wir fest, dass sich Blogs und Online-Medien gar nicht so sehr unterscheiden.

Denn alle wollen sie ihre Geschichten erzählen. Es ist schade um jede Geschichte, die nicht erzählt wird. Insofern ist es klar, wie wir die gestellte Frage beantworten müssen: Jede Geschichte, die erzählt wird, kann auch in einem Blog erzählt werden. Blogs wirken auch deshalb so gut, weil sich so viele von ihnen nicht davor scheuen, spezielle Geschichten zu erzählen.

Hands on Blogging

„Hands on Blogging“ kann man etwa mit „Legt die schützenden Hände über das Bloggen“ übersetzen. Ja, das hinkt etwas. Aber ich will auf etwas spezielles hinaus. Denn es war schon häufig so, dass Blogs für tot oder zumindest für unnötig erklärt wurden. Und damit meine ich nicht „Mein Blog auf Instagram“ oder „Mein YouTube-Blog“ oder so etwas. Denn das sind keine Blogs.

Passt auf die Blogs auf, nehmt sie endlich ernst. Die meisten Blogs scheren sich einen Dreck ums Reichwerden oder um tagesaktuelle Berichterstattung. Nehmt sie als das, was sie sind: Ein unschätzbarer Teil der Medienlandschaft. Blogger wollen doch gar keine Influencer werden. Deshalb geben die einen feuchten Dreck auf Blitzlicht-Gewitter.

Blogger wollen die Welt einfach immer ein Stückchen besser machen. Und sei es, dass ein Firmenblog die Kunden mitnehmen will auf die Reise in die neue Service-Palette. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, Blogger wahr zu nehmen und ihnen Wertschätzung entgegen zu bringen. Blogs wirken und haben ihren Wert. Sie sollten rauskommen aus dem Schatten.

6 Kommentare

    1. Hallo Uschi,

      dankeschön. Ja, es mag sein, dass wir da noch etliche enorm dicke Bretter bohren müssen. Aber wie soll es denn anders gehen? Wir müssen irgendwie weitermachen. Und alle müssen mit. Ich denke, es ändert sich schon was. Aber es dauert halt sehr lang.

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