Kohlendioxid: Der Irrglaube der Leugner

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Die Kohlendioxid-Belastung, die der Mensch verursacht, ist sehr gering. Warum also sollte ich etwas an meinem Verhalten ändern? Nichts, es ist doch alles gut. Was regt sich “Frau Dipl.-Ing. Greta Thunberg” überhaupt auf? Die soll lieber in die Schule gehen! Solche Wortmeldungen liest man zuhauf. Wollen wir doch mal aufklären, was das mit dem Einfluss des Menschen auf sich hat.

Der Planet produziert das meiste Kohlendioxid

Ich habe eine Behauptung in den sozialen Netzwerken gelesen, die genau dazu passt, was man immer wieder liest. Die Behauptung lautet schlicht und ergreifend, dass 96% des weltweit produzierten Kohlendioxid-Aufkommens vom Planeten selbst stammt. Das Ganze gekoppelt mit der Frage: Tja, was sollen wir denn da tun?

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Klar, man soll dann gleich mal den Wald beschimpfen. Greta Thunberg soll lieber “How dare you” in den Atlantik brüllen. Es macht mich so unfassbar müde. Woher nimmt man denn die 96%? Und wie kommt jemand auf die Behauptung, dass Wissenschaftler den Weltklimarat verlassen haben, weil sie angeblich gemerkt haben, dass das “angebliche Horrorszenario nicht der Wahrheit entspricht”?

Und selbst wenn der Mensch “nur für 4%” Kohlendioxid verantwortlich ist, ist es nicht unser Anspruch, diese 4% zu reduzieren? Warum das unerhört wichtig ist, werde ich gleich noch schildern. Aber nochmal: Woher stammen die Zahlen? Wodurch sind sie belegt? Und ist es nicht egal, ob 60, 80 oder 96%? Wer so argumentiert, ist nah dran an so etwas:

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Das Gleichgewicht

Für Tausende von Jahren war die Welt im Gleichgewicht. Natürlich produzierte die Erde Kohlendioxid. Die Meere gaben ab, abgestorbene Bäume gaben ab. Aber Meere und Wälder und all das nahmen es auch wieder auf. Das nennt man Kohlenstoff-Kreislauf. Und es handelt sich um einen vollkommen natürlichen Prozess. Der geriet aber ins Wanken.

Durch die Industrialisierung kam es dazu, dass die Gesamtmenge an abgegebenem Kohlendioxid anstieg. Durch Verbrennung fossiler Stoffe. Denn durch eben diese Verbrennung steigt die Menge an produziertem CO2 an. Die Gesamtmenge wurde nun größer als die Menge, die von der Natur selbst wieder absorbiert werden kann.

Es ist unerheblich, um wie viel es sich handelt. Der Fakt ist, dass weniger CO2 aufgenommen werden kann, als abgegeben wird. In diesem Artikel ist die Rede von einer Badewanne: So lang der Wasserhahn so weit aufgedreht ist, dass so viel Wasser in die Wanne läuft, wie abläuft, ist alles gut. Die Wanne läuft aber über, wird der Hahn weiter aufgedreht.

Das Gleichgewicht besteht also nicht mehr, wie ihr auch an dieser Grafik sehen könnt. Der Planet “atmet”, jedoch nimmt die Erde quasi “Mundgeruch” auf. Und für den Menschen bedeutet die höhere Kohlendioxid-Konzentration dann Atemwegsprobleme, Schläfrigkeit, getrübte Sicht, höheren Blutdruck etc.

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Der Wald stirbt

Im Januar 2018 ereignete sich das Orkantief Friederike. Von Kanada aus zog es über den Atlantik nach Island und von dort aus über Irland, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Deutschland nach Polen. Das Sturmtief zog eine Schneise der Verwüstung durch den Harz. Ich hatte mich vergangenes Jahr erschrocken. Die Schäden im Wald lagen aber nicht nur an Friederike.

Im April hörte es einfach so auf zu regnen. Durch beide Ereignisse starben unfassbar viele Bäume ab und wurden Nistplätze für den Borkenkäfer, genauer gesagt für den Buchdrucker. Die nächsten Bäume starben ab. In diesem Sommer hatte es wieder zu wenig geregnet. Was meint ihr, was passiert ist?

Ach, es gibt kein Waldsterben? Noch bis 25.09.2020 ist diese Dokumentation des Mitteldeutschen Rundfunks verfügbar. Ihr solltet euch die halbe Stunde anschauen. Da stirbt einfach mal ein ganzer Wald. Und das setzt sich in allen Wäldern fort. Das oben genannte Gleichgewicht gerät immer mehr aus den Fugen.

Und dann sind wir wieder dabei, dass der Anteil von Kohlendioxid an der Atmosphäre immer weiter steigt, weil das Gas einfach immer schlechter abgebaut werden kann. Auch ohne den Menschen. Wenn die Menschheit aber ihr Verhalten nicht ändert, dann geht das noch schneller, dass der Klimawandel vollendet wird.

Wie könnt ihr es eigentlich wagen?

Es gibt einen Haufen Leugner, die behaupten, dass es keinen Klimawandel gibt. Anzeichen gab es in Deutschland schon lang. Erinnern wir uns an die Flutkatastrophen im Oderbruch, die verheerende Flut 2002, die extreme Dürre 2003, die zunehmenden Stürme, die Gewalt der Natur. Wie könnt ihr es wagen, das Alles zu ignorieren? Und die Rekorde von 2003 wurden 2018 übertroffen.

Das Klima verändert sich. Wir stehen vermutlich kurz vor einem Punkt, an dem es keine Umkehr mehr gibt. Darüber sind sich alle möglichen Wissenschaftler einig. Und mal ehrlich, die können nicht alle von einer ominösen “Weltregierung” gekauft worden sein. Oder haben die Wissenschaftler Recht, die sich in der Branche einen zweifelhaften Ruf erarbeitet haben?

Ich habe mal nach der Ernsthaftigkeit in der Debatte gefragt. Interessiert hat es keinen. Nun hatte sich ein Mädchen vor die Vereinten Nationen gestellt und ihre tränenüberströmte Rede gehalten. Hat es die Politik-Prominenz interessiert? Nein. Und von vielen Menschen, die die Veränderung partout nicht wahrhaben wollen, wird sie auch noch beschimpft. How dare you?

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Vielen ist nicht mehr zu helfen

Wenn ich da lese: Was soll ich denn schon tun? Dann frage ich mich: Wollt ihr lieber ersticken (in Müll und anhand der Kohlendioxid-Belastung)? Klar, vieles kann man selbst nicht beeinflussen. Aber man kann zusehen, selbst weniger fossile Brennstoffe zu verfeuern und weitgehend auf Plastik zu verzichten. Das ist nicht schwer.

Näht selbst Einkaufstaschen aus verschlissenen Jeans und geht damit zum regionalen Gemüsehändler. Lasst doch einfach die Weintrauben in den Plastik-Schalen stehen. Und bedenkt: Es ist schlicht ein Witz, jetzt nicht auf Pflaumen zu setzen. Jetzt ist die Jahreszeit. Lasst euch nichts erzählen, dass es ganzjährig Erdbeeren und Himbeeren geben muss.

Und was soll das mit “deutschen Buschbohnen”, die aus Marokko angekarrt werden? Merkt ihr selbst, dass das Unsinn ist? Und zum Fleischer nehmt ihr eure Gefäße mit, in die Fleisch und Wurst sollen. Damit braucht ihr all diesen Verpackungsmüll nicht. Der muss dann auch nicht mehr hergestellt werden. Und das spart Kohlendioxid.

Wer natürlich so weitermacht wie bisher und stattdessen lieber ein Mädchen beschimpft, dem ist nicht zu helfen. Der kippt dann sicher auch den eigenen Hausmüll ins Wohnzimmer. Macht dann aber niemanden dafür verantwortlich, wenn eure Reiseziele DomRep oder Seychellen endgültig überflutet sind.

2 Kommentare

  1. Ich verzichte zum Beispiel auf Mangos, Maracujas und anderes, was eingeflogen wird. Was mir extrem schwer fällt.

    Das Autofahren können wir schlecht reduzieren. Mangels Führerschein und Auto. Und so weiter. Es ist machbar. Auch wenn wir immer noch daran arbeiten müssen, unsere Bilanz zu verbessern.

    1. Wie gesagt: Jeder kann irgendwas tun. Wenn man aber lieber herum diskutiert, erreicht man nix. Aber ich bin es auch leid, immer wieder darüber zu schreiben. Man erreicht ja eh nichts bei denen, die unverbesserlich sind.

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