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Von Rotlicht, Jauch, Google und Wulff und was die Medien daraus machen

Ich kann gar nicht so viel fazialpalmieren, wie es vielleicht angebracht wäre. Bettina Wulff, die ehemalige First Lady, hat nun erkannt, dass es reicht, was gegen die Wulffs abgezogen wird und wurde. Und nun geht sie gerichtlich dagegen vor. Für die Medien ein gefundenes Fressen.

Es geht exakt um Diffamierungen gegen Bettina Wulff. Diese Dinge gehen schon sehr tief unter die Gürtellinie. Ich habe im Dezember letzten Jahres darüber berichtet, weil zu diesem Zeitpunkt das Thema auch schon einmal sehr präsent war. Meine Vermutung ist ja nach wie vor, dass jemand die Familie Wulff politisch und gesellschaftlich zerstören will. Es geht unter anderem um solche Vorschläge in der Google-Suche, die nun Frau Wulff in Richtung Gericht getrieben hat:

Bettina Wulff Mobbing per Google-Suche
Bettina Wulff Mobbing per Google-Suche

Das ist der ursprüngliche Screenshot aus meinem Artikel vom 21. Dezember 2011. Lang und breit hat Deutschlands Dampfplauderer Günter Jauch über diese Geschichte debattiert. Und immer wieder die Begriffe „Bettina Wulff“ und „Rotlichtmillieu“ fleißig in einem Satz genannt. Im obigen Bild sehen Sie auch, was man mit der Google-Suche alles so treiben kann.

Bettina Wulff, attraktiv, 38, Mutter, Anwaltsgattin und ehemalige First Lady, soll schon zu der Zeit, als ihr Gatte Christian Wulff noch Ministerpräsident gewesen ist, von solchen obskuren Google-Vorschlägen heimgesucht worden sein. Und das wollte der „Anwalt der Herzen“, Schwiegermutter-Traum, Günter Jauch, eben aufklären.

Und schon zur Ministerpräsidentenzeit, so erfuhr ich heute aus <irgendeinem Medienorgan>, soll Bettina Wulff eine eidesstattliche Versicherung abgegeben haben, dass an Rotlicht-Geschichten nichts dran sei. Würde diese Erklärung falsch sein, würde dies eine Freiheits- oder Geldstrafe nach sich ziehen. Frau Wulff könnte also nur verlieren, wenn sie da die Unwahrheit erzählt hätte. Also glauben wir ihr, OK?

Frau Wulff, so ist heute zu lesen und zu hören, hat dann an verschiedene Empfänger strafbewehrte Unterlassungserklärungen verschickt. Google solle die Vorschläge richtigstellen, damit so etwas, wie oben im Bild zu sehen ist, nicht weiter passiert. Jauch solle die Berichterstattung und Dampfplauderei mit der oben genannten Wortzusammenstellung lassen. Was ist seitdem passiert? Nichts. Nicht mal die Dokumente wurden unterschrieben zurückgeschickt.

Und das hat der blonden Frau nun also gereicht. Kann ich auch verstehen. Ich würde mir das auch nicht bieten lassen. Frau Wulff hat jetzt das einzig richtige getan, sie hat die Empfänger der Unterlassungserklärungen verklagt.

Schauen Sie mal, was Google vorschlägt. Dass der folgende Screenshot aktuell ist, sehen Sie am Bild von Google. Heute hat nämlich „Star Trek“ 46. Jubiläum.

Bettina Wulff bei Google. Es genügt "Betti" einzugeben
Bettina Wulff bei Google. Es genügt „Betti“ einzugeben

Laut der Aussage von Frau Wulff, stimmen die beiden Suchvorschläge einfach mal nicht. Google hat nicht reagiert, darum muss das jetzt ein Gericht klären. Und dabei hat Frau Wulff sogar sehr gute Karten. Denn wie das Portal Techcrunch feststellt, sind Klagen gegen Suchvorschläge durchaus erfolgversprechend, und es wurden wohl schon diverse Prozesse gewonnen.

Was machen denn die Medien aus der Sache? Mal davon abgesehen, dass es das gute Recht und die private Angelegenheit von Frau Wulff ist, was die Medien gern vergessen, was geht durch die Reihen? Sie stellen die Blondine als Sammlerin von Unterlassungserklärungen hin, sie reden von den Gegnern als „Betroffene“. Sie reden von den o.g. Suchergebnissen von Gerüchten. Stammtischrunden sind auf einmal Ansammlungen von Experten. Ach ja, Günter Jauch wird gleich erstmal hergenommen, dass er die Unterlassungserklärung „billigt“.

Eine Frage: Er „billigt“ etwas? Das klingt so, als ob er auf einem hohen Thron sitzt und nun den Wisch als Schriftstück anerkannt hat. Aber ist es nicht so, dass er gar keine andere Wahl hat, als die strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterschreiben, wenn er die Gerüchte nicht durch Tatsachen belegen kann? Billigen ist da in meinen Augen das falsche Wort.

Und was das Tollste an der ganzen Geschichte ist: (Ich muss mich jetzt mal so ausdrücken wie die deutschen Qualitätsmedien) Gerüchten zufolge, sollen die Gerüchte aus der niedersächsischen CDU selbst kommen. Wie ich in dem oben verlinkten Artikel von Dezember letzten Jahres bereits vermutet habe und die Vermutung am 17. Februar wiederholt habe, sitzen da irgendwelche Hinterbänkler und schießen aus der Hüfte.

Jetzt möchte ich einfach mal konkret werden: Wulff war in meinen Augen nie sonderlich konservativ. Seine Äußerung, dass der Islam zu Deutschland gehören würde, zeigt das meiner Ansicht nach recht gut. Und dass er solche Ansichten vertreten hat und auch bei seinen Ansichten blieb, dass könnte ja irgendwelchen Erzkonservativen und Hinterwäldlern nicht passen. Ich denke, es muss sich um jemanden drehen, der a) Wulff sehr nahe stand und b) so konservativ wie möglich ist. Und – wie ich seit heut weiß – er muss zu den Zeiten von Wulffs Ministerpräsidentschaft im niedersächsischen Landtag der Fraktion der CDU angehört haben.

Jedenfalls, und das muss einfach mal sein, die Medien können jetzt nicht einfach so tun, als würden sie bei der Aufklärung helfen. Jedes der tollen Organe hat damals kein gutes Blatt an Wulff gelassen und jetzt bringen sie die oben genannten Begriffe ständig auf allen Kanälen gemeinsam unter, sodass Google ja etwas zu finden hat. Das ist der Grund, warum ich über die Medien fazialpalmieren könnte ohne Ende. Im März hat „das kotzende Einhorn“ eine wunderbare Fazialpalmierungskollektion zu einem anderen Thema zusammengestellt. Besuchen Sie ruhig mal den Artikel, dann können Sie es auch: Fazalpalmieren ohne Ende.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

One thought to “Von Rotlicht, Jauch, Google und Wulff und was die Medien daraus machen”

  1. Cyber-Mobbing nennt man wohl so etwas, nicht?

    Darunter haben bereits viele Menschen im Internet zu leiden und man sollte meinen, dass die Medien mit gutem Beispiel vorangehen sollten?

    Denn wie die aufgezeigten Suchbegriffe nach wie vor aufzeigen, sind derlei Gerüchte im Internet kaum noch zu entfernen. Auch mit einer strafbewehrten Unterlassungserklärung nicht, denn nach meiner Meinung müsste der Verursacher dafür Sorge tragen, dass die betreffenden rufschädigenden Blogs im Internet entfernt werden. :?:

    Ich spreche da leider auch aus eigener Erfahrung.

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