Längst vergessen: „Christine“ von OMD

Der Sommer 1993 wurde für mich durch das Album „Liberator“ von OMD geprägt. Darauf befindet sich das beeindruckende Lied „Christine“, was ich mal aufgreife. Es ist so ein Lied, das man gleich mal als Perle bezeichnen kann. Die Geschichte, die erzählt wird, ist schon irgendwie besonders. Aber hat sie sich vielleicht auch zugetragen?

Christine…

Wenn die Sonne zu schnell hinter der fernen Stadt untergeht, wird sie unter Wasser fahren. Sie wird ihren Sohn und ihre Tochter verlassen. Reduziert darauf, nackt da zu liegen, um diejenigen zu verpflegen, die sie für heilig hält. Sie hat keine Kleidung und keine Schönheit, um sich in ihrer Nacktheit zu zeigen.

Wenn irgendjemand ihren Namen ausruft, ist alles, was sie hört, die Autos: Durch das Fenster im Badezimmer, durch das zerbrochene Glas und die Gitterstäbe. Sie sucht Trost in der Brieftasche, in die sie 80 Dollar gesteckt hatte. Wenn der letzte gegangen ist, kann sie in die Dunkelheit gleiten.

Und langsam geht es den Fluss hinunter. Die Strömung zieht sie herunter. Und diese badet sie in ihrer Pracht und ist unbewegt durch ihre Hingabe. Und durch das Wasser wird sie ohnmächtig, die Lichter sind wie zerbrechliche Sterne. Jemand rief ihren Namen aus. Sie hört nicht mehr die Autos. Christine…

Die Geschichte der Nacktheit

„Christine“ ist ein beeindruckendes Lied. An vorletzter Stelle auf „Liberator“ hören wir fünf Minuten lang eine soulige Nummer über eine Frau, die einfach die Nase voll davon hat, dass man sie ausnutzt. Ich habe ja eingangs die Frage in den Raum gestellt, ob sich diese Geschichte so zugetragen hatte. Das will ich dann doch gleich mal aufklären.

Das großartige Stück Musik wurde ursprünglich für das Album „Sugar Tax“ geschrieben. Aber dort passte es thematisch nicht so richtig hin, da es dort um die Abrechnung mit gescheiterten Beziehungen geht. „Christine“ wiederum ist eine fiktive Geschichte von einem Mädchen in einem Stripclub in Manhattan. Sie muss dort arbeiten, weil sie sonst keine Chance hat, sich und ihre beiden Kinder zu versorgen.

Die schrammelnden Streicher, das groovige Schlagzeug und der mit Bedacht eingesetzte Gesang machen die Nummer zu einem absoluten Highlight. Zusammen mit der Geschichte hinterlässt das Lied den Zuhörer äußerst bedrückt. Auf „Liberator“ ist es das beste Stück. Das war aber auch keine Kunst, war doch dieses Album eine Art Resterampe für das alles überstrahlende „Sugar Tax“ von 1991.

Das Lied

Wer mit „Christine“ irgendwas in Richtung „Pandora’s Box“ erwartet, sieht sich getäuscht. Die Nummer ist so ganz anders als die Sachen, die man von OMD im Formatradio hört. Folgerichtig war das Lied auch nie Single. Und deshalb gibt es auch kein offizielles Video. Aber das folgende Video habe ich dennoch mit erweitertem Datenschutzmodus eingebunden.

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