Ukraine under Attack - Ein paar Gedanken - Government of Ukraine, Public domain, via Wikimedia Commons

Ukraine under Attack - Ein paar Gedanken - Government of Ukraine, Public domain, via Wikimedia Commons

Ukraine under Attack – Ein paar Gedanken

Nein, mir widerstrebt es eigentlich, über den Feldzug des Mannes aus der Moskauer Festungsanlage in der Ukraine zu erzählen. Aber ich bin da auch nicht frei von. Was dort in den letzten Tagen abgegangen ist, ist an Niedertracht nicht zu überbieten. Aber eigentlich hätte es uns klar sein müssen: Er ist halt so, der Wladi. Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Den Krieg gegen das Land haben nicht „Die Russen“ zu verantworten. Es sind Putins Schergen und der Moloch im Kreml. Ich schreibe mal wild ein paar Gedanken auf.

Noch mehr Gelaber über die Ukraine?

Keine Sorge, ich palavere nicht über das allgegenwärtige Thema östlich von Polen. Das machen andere viel besser als ich. Wie der Militär-Experte Thomas Wiegold, aber auch der ist momentan arg überfordert. Wie könnte ich da also über all das berichten? Das ist ja eh nicht mein Ansinnen. Außerdem habe ich gar nicht den Einblick. Und ich habe erst recht keine Zeit. Aber ich kann ein bisschen Meinung aufschreiben. Ich muss nämlich auch mit meinen Gedanken irgendwo hin.

Ich arbeite in einem multinationalen Unternehmen. Wir haben – deshalb multinational – in enorm vielen Ländern Niederlassungen, unter anderem auch in Russland und in der Ukraine. Die Kollegen dort wissen derzeit auch überhaupt nicht, wohin mit ihren Gedanken, in der Ukraine wissen sie noch nicht mal, wohin mit sich selbst und der eigenen Angst. Wie könnte es mir da zustehen, irgendeine Bewertung vorzunehmen?

Gleichwohl kann ich aber eine Meinung haben. Ich bin allerdings der falsche, wenn es darum geht, irgendwas minutiös aufzuarbeiten. Wie gesagt, das können andere wesentlich besser. Man kann sich zurecht wie der Horst fragen, was Putin denn eigentlich geritten hat. Und wie der Marcel kann man ungläubig dasitzen und sich fragen, was eigentlich die Motivation dahinter ist. Am Ende möchte man irgendwas tun. Allerdings fragt man sich, was das eigentlich sein soll.

Da war nichts spontan

Man stellt sich den Angriffskrieg auf die Ukraine ja irgendwie so vor, dass sich der Despot im Kreml vielleicht mit den flachen Händen auf die Oberschenkel geklatscht hat und sich gesagt hat „So, jetzt reicht’s mir“. Dann hätte man vielleicht von einem spontanen Ding reden können. Aber bei der ganzen Nummer ist nichts spontan. Nach allem, was man in den pausenlosen Sondersendungen und Meldungen und all dem mitbekommt, arbeitet die russische Armee einen genauen Plan ab.

Es ist eine lange geplante Übernahme-Aktion. Die Ukraine soll „heim ins Reich“ kommen. Angeblich würde das Land seit jeher zu Russland gehören, sagte der Diktator vom Roten Platz. Genau genommen ist es allerdings umgekehrt, wenn man sich die Geschichte rund um die Kiewer Rus ansieht. Jedenfalls ließ Putin nichts aus bei seinem Terrorangriff auf den südwestlichen Nachbarn. Staatliche ukrainische Webseiten wurden ausgeschaltet und mit der Schadsoftware Wiper infiziert.

Ach, das ist nicht erwähnenswert? Ich finde schon. Denn bevor die Ukraine per Cyberangriff getroffen wurde, wurde am Iran ein Exempel statuiert und Wiper getestet. Dann fielen die russischen Angreifer von mehreren Seiten in die Ukraine ein. Wiper war somit wie ein Trojanisches Pferd, um die staatliche Verwaltung lahmzulegen und handlungsunfähig zu machen. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung als IT-ler mit einem gewissen Interesse für IT-Sicherheit.

Ich erlebe ja immer wieder Cyber-Attacken. Ganz ehrlich: Die Attacke auf ukrainische Behörden wirkt wie ein Angriff auf KRITIS. Und was wäre denn, wenn von Russland aus noch mehr Cyber-Attacken gelaufen sind? Was wäre, wenn Angriffe auf kommunale Einrichtungen in Deutschland von Russland her gesteuert wurden? Vielleicht, um Pläne zu verschleiern, „den Westen“ dumm dastehen zu lassen oder was auch immer. Wie gesagt: Spontan ist da keineswegs irgendwas.

Es sind nicht „Die Russen“

Die fadenscheinige Ausrede für den Angriff auf die Ukraine, dass die Russen in Luhansk und Donezk ausgelöscht werden sollen, glaubt doch Putin niemand. Aber es war ein gefundenes Fressen, um diesen Krieg vom Zaun zu brechen. So, wie vor Jahrzehnten, als es diese fadenscheinige Ausrede mit dem Sender Gleiwitz für den Terrorakt gegen Polen gab. Man sagt, dass sich Geschichte immer wiederholt. In der Ukraine wird gerade der Beweis erbracht.

Aber wir müssen festhalten, dass es nicht „die Russen“ sind, die die Ukraine überfallen haben. Ich würde auch behaupten, dass die Armee da relativ wenig dafür kann. Ich habe keinen Schimmer, was ein russischer Soldat bei Befehlsverweigerung erwartet. Aber es wird wohl schlimm sein. Das russische Volk findet das nach allem, was man so vorgesetzt bekommt, auch nicht so pralle, was Putin da mit der Ukraine veranstaltet. Es gibt Demonstrationen und die Verweigerung der Gefolgschaft.

Ich habe keine Ahnung, ob das der Wladi einfach so wegignorieren oder wegmoderieren kann. Aber Fakt ist, dass die Pläne, die er hat, andere sind als die, die das Volk hat. Das will nur in Ruhe leben, so wie andere Völker eben auch. Sting sang in den Achtzigern auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs schon davon: „Russians love their children, too“: Auch die Russen lieben ihre Kinder. Sprich: Das sind auch Menschen, keine Kriegsmaschinen.

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Von Europa darf man aber gern mehr Engagement erwarten. Mir ist klar, dass zu viel dann vielleicht einen Atomkrieg auslöst. Aber muss man da nicht irgendwas für die Ukraine tun können? Und darf man nicht entschieden sein? Der Angriff auf die Ukraine muss eine Reaktion auslösen. Putin und seine Schergen gehören geächtet. Und das russische Volk muss als weitgehend friedfertig anerkannt werden. Und die Ukraine muss als eigenständiger Staat bestehen bleiben. Aber ob das passieren wird? Ich weiß es nicht.

6 Kommentare zu „Ukraine under Attack – Ein paar Gedanken“

  1. Hi Henning,
    ich habe mir da auch so meine Gedanken zu gemacht – muss aber sagen, dass ich von der Ukraine nicht viel weiss. Es gibt Länder auf der landkartre, da kennst Du den Namen – das wr’s dann auch schon.
    Über die Krimkrise und die Annektion von Russland hatte ich damals ( es war bereits im März 2014) auch einen Blogbeitrag geschrieben: https://www.nerd-o-mania.de/wordpress/2014/03/31/sonntagsgedanken-von-krimsekt-russischem-wodka-amerikanischem-gen-mais-einem-deutschen-suppenhuhn-und-wie-dies-alles-zu-einem-unbekmmlichen-landser-gericht-vermischt-wird/
    Es gibt da im Beitrag ein Video von einem österreichischem Politiker und bestelltem Wahlbeobachter, der über die Krim, Ukraine und die Beziehung zu Russland ein kurzes Statement abgibt. Den Politiker kann ich parteilich nicht einordnen, aber selbst wenn er zur FPÖ gehören würde, hören sich seine Aussagen zur Wahl (dem Referendum ob die Bewohner der Krim zu Russland oder zur Ukraine gehören wollen) plausibel an. Deshalb bin ich mit dem Wort Annektion vorsichtig – wieso sollte man etwas annektieren, was eh gehen wollte?
    Mich wundert mehr, dass in den über 7 Jahren danach seitens der EU nichts passierte um die Ukraine zu unterstützen. Seitdem die russischen Separatisten – vermutlich vom Kremel unterstützt und instrumentalisiert – dort für Unruhe sorgten, war klar, dass dies einen Grund hatte. Putin macht nichts ohne Grund..
    Dass die derzeitige Regierung nicht in der Lage war den Osten des Landes zu befrieden war natürlich ein gefundenes Fressen für Putin seine Propaganda-Parolen immer wieder neu zu befeuern. Die logische Konsequenz, dass Putin bereits einen Plan hatte um das Land wieder an Russland anzugliedern, hätte man zumindest ahnen können. Die jetzigen Aussagen seitens der EU sind für mich auch nur Propaganda auf dem gleichen Level von Russland. Sollen 5.000 Helme der Bundeswehr (die natürlich aufgrund unserer Bürokratiemühlen sowieso nicht mehr rechtzeitig ankommen – vielleicht mögen Putins Truppen die ja vielleicht) eine Unterstützung für Ukraine sein? Die ukrainische Armee hat ihre Atomwaffen damals freiwillig abgegeben – mit dem jetzigen verbliebenem Schrott-Material können die keine 3 Tage gegen eine gut ausgebildete und entschlossene Truppe Widerstand leisten.
    In der EU kann man nur eines gut: viel heiße Luft blasen und Phrasen dreschen ohne wirklich eine zielführende Lösung propagieren zu wollen. Von daher war das was Putin gemacht hat, die logische Konsequenz.
    Lass uns mal abwarten, was in weiteren 7 Jahren ist – ich vermute Trump wird Biden ablösen und Putin wird immer noch im Amt sein. Und selbstverständlich werden alle wieder Geschäfte mit Ihm machen. Ist das nicht immer so gewesen?..

    1. Hi mein Freund,

      glücklicherweise ging es dann doch anders. Aber hier sind Blogartikel und Blogkommentare einfach nicht schnell genug. Wir können gar nicht so schnell reagieren, wie sich das Alles derzeit ändert. Vermutlich wird der Prophezeiung gar nicht mehr so eintreffen. Aber grundsätzlich hast du natürlich vollkommen Recht. Allerdings haben wir wohl alle die Ukraine unterschätzt. Das wiederum sollte uns satten Mitteleuropäern aber auch zu denken geben.

      1. Hi Henning,
        ja stimmt. Die Ukraine ist ein fetter Brocken an dem sich Putin hoffentlich verschluckt. Statt 3 Tagen sind es nun schon 2 Wochen. Und in Russland regt sich Widerstand. Je länger der Krieg dauert, umso verbitterter wird der aber leider geführt. Auf Zivilisten wird keine Rücksicht genommen. In meinem letzten Blog-Beitrag hatte ich schon geschrieben, dass es wohl kaum gelingen wird eine Marionettenregierung, die Moskau hörig ist zu installieren. Die muss man wegen ablebens durch bedauerliche Todesfälle wahrscheinlich mindestens wöchentlich austauschen.
        Aber wie geht es mit der Welt weiter?
        Wir haben so viele Probleme, die ein dringendes Handeln der ganzen Welt voraussetzt: Klimawandel, Waldsterben, Energiewende, Umweltverschmutzung – und anstatt zusammen nach Lösungen zu suchen und enger zusammen zu rücken führen wir plötzlich Krieg gegeneinander, bauen Mauern wieder auf, die abgerissen zu sein schienen, trauen keinem mehr über den Weg und rüsten massiv auf.
        Und wir sollen die Krone der Schöpfung sein und vernunftbegabt? Nee.. glaub ich nich‘..
        CU
        P.

        1. Ja, da hast du vollkommen Recht. Wir können alles sein, außer die Krönung der Schöpfung. Mir wird ehrlich gesagt mulmig, wenn ich mich so umschaue. Wir können allerdings froh sein, dass vieles dann eben doch nicht so schlimm kommt. Stell dir mal vor, das orange Schreckgespenst wäre noch eine Periode im Weißen Haus umher getingelt. Und dann der Irre im Kreml dazu. DAS wäre – sagen wir mal – spannend geworden.

      2. Die Einstellung zu ihrem Land ist in der Ukraine offenbar anders als die in Deutschland. Sie verteidigen ihre Freiheit, ihr Land. Irgendein Journalist behauptete im TV, dass dies in Deutschland nicht zu erwarten wäre. Wir würden den Russen mit weißen Fahnen entgegentreten. Wahrscheinlich hat er recht. Ich glaube, diese andere Einstellung zur Verteidigung hat gute Gründe und sie ist natürlich über Jahrzehnte sozusagen historisch gewachsen. Es gibt auch Leute, die finden, dass die Ukrainer möglichst bald kapitulieren sollen. So würde dieser Krieg nur unnötig in die Länge gezogen, und es gäbe weitere vermeidbare Opfer. Ich halte solche Aussagen für zynisch. Der Preis für die Kapitulation wäre den Ukrainern jedenfalls zu groß. Bei uns scheinen einige der Ansicht zu sein, lieber unterjocht (unfrei) als tot. Ich glaube, ich würde mir vor Angst in die Hose machen und wäre unter diesen Umständen gar nicht bereit, für irgendwas zu kämpfen. Wie das danach in der Realität wäre, wenn wir also unter einem Diktator leben würde, kann ich mir nicht einmal vorstellen. Und das ist das eigentliche Manko. Das haben wir ein Stück weit unserem bequemen Leben zu verdanken, das so viele von uns nicht einmal zu schätzen wissen (Querdenker, Impfgegner, Rechtsradikale).

        1. Hallo Horst,

          das stimmt. Die Ukrainer ticken anders als wir Deutsche. Bedenke, dass das Volk so unfassbar von der russischen Übermacht während der UdSSR ausgesaugt wurde. Das wollen die ganz bestimmt kein zweites Mal erleben. Wir in der ehemaligen DDR – also die, die hier geboren wurden, als der Staat existierte – können uns das ansatzweise vorstellen, was das bedeuten würde. Denn 40 Jahre lang durfte die DDR auf keinem Gebiet besser dastehen, als die Sowjetunion. Und wenn, wurden diese Innovationen weggenommen.

          Grundsätzlich glaube ich, dass die gebürtigen Ostdeutschen schon wissen dürften, wie sich das anfühlt mit einer Marionettenregierung und einem Diktator im Kreml. Aber dennoch würde ich meinen dicken Hintern darauf verwetten, dass die spinnerten Menschen, die hier mit Russland-Fahnen wedeln, die ersten wären, die den weißen Schlüpper an den Besenstiel binden würden, um sich zu ergeben.

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